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Stop the hate: Bars And Melody – BAM

March 4, 2018

Es wird aktuell viel über das digitale Zeitalter orakelt. Eine kulturelle Bedeutung habe ich beim surfen durch das Universum von Youtube entdeckt. Ich war auf der Suche nach Aufmerksamkeitswegen in der Popkultur zum Thema Mobbing/Bullying und bin bei „Britain Got Talent“ in 2014 fündig geworden. Im Januar konnte ich mir hier in der Hauptstadt vor Ort selbst ein Bild vom Duo „Bars and Melody – BAM“ machen. –> English version of this Blog.

The Beginning: Hopefull & Golden Buzzer

In diesem Video ist der erste grosse TV Auftritt bei BGT vollständig dokumentiert und die investierte Zeit (8 Min) verdeutlicht den Live Prozess zum Erfolg. Es gibt aber auch eine kurze Golden Buzzer Version. Das Duo analysiert diesen popkulturellen Gründungsmythos zwei Jahre später Stück für Stück in drei Videoblogs (a 4-5 Min).

Der Juror Simon Cowell hat die beiden englischen Jugendlichen Leondre DeVries (aka BARS,* 2000) und Charlie Lenehan (aka MELODY, * 1998) als Duo „Bars and Melody – BAM“ innerhalb von 8 Minuten Sendezeit mit ihrem melodischen Antibullying-Rapsong „Hopefull“ in 2014 weltweit bekannt gemacht. Das erfolgreich präsentierte Lied basiert auf Lyrics und Musik von Twista‘s song “Hope“, featuring Faith Evans aus 2005. Leondre hat das Musikstück 2014 mit Texten über seine Mobbingerfahrungen in der eigenen Grundschulzeit in Wales aktualisiert und Charlie singt einen melodischen Refrainpart dazu. Das Publikum und die Jury bei BGT waren gleichermassen begeistert und berührt von der Performanz des Duos. Der Track wurde am 25 Juli 2014 durch Syco Music released, auf Youtube wurde das Musikvideo bis heute über 100 Millionen Mal angeklickt – Tendenz ansteigend.

Wie kommt es dazu, dass zwei Teenager mit dem Mobbing- und Abziehthema von der walisischen Schulbank in der Mittelstufe in das grosse Musikbusiness wechseln?

Come together

Leondre DeVries berichtet darüber in mehreren Interviews folgendes. In 2013 wurde er durch einen Freund via Facebook auf Charlie‘s Musikvideos aufmerksam. Er nahm mit ihm via FB Kontakt auf und Charlie gefielen die Rapsongs von Leondre – seiner Zeit noch unter dem Künstlername Little-Dre unterwegs – ebenfalls. Sie wohnten 2013 einige Autostunden voneinander entfernt. Man lernte sich zunächst virtuell und später auch face-to-face im realen Leben kennen und schätzen. Eine musikalisch fundierte Kollaboration nahm ihren Lauf auf. Von da an wurde gemeinsam geprobt, produziert. Kurzum: Kulturarbeit wurde im Kinderzimmer in Wales vollzogen.

Die Bewerbung bei BGT wurde von den Familien der beiden Musiker unterstützt, auch wenn Leo‘s Vater (Steinmetz, Musikpromoter) später mit den Produzenten von Syco Music über die Vermarktungsstrategien in Streit geriet – Überlastungsvorwürfe und Urheberrechtsfragen über den erfolgreichen Raptext wurden in diesem Zusammenhang genannt. Die Hopefull-Single war in UK, USA und Japan erfolgreich. Auf dem europäischen Festland haben Bars and Melody ebenfalls eine zuverlässige und anwachsende Fanbase.

Social Media

Dreh- und Angelpunkt ist der von BAM selbst eingerichtete Youtubekanal, die Abonentenzahl hat am 22.02.18 die zwei Millionen Marke überschritten. Täglich kommen etwa 1000 Neue hinzu. Hier stellt das Duo regelmässig Material für die Fanbase (Bambinos) und die weitere Öffentlichkeit bereit.

In mehreren Rubriken werden dort Infos aus dem künstlerischen Leben, eigene Musikproduktionen, viele Coverversionen, Berichte von Tourerlebnissen oder einfach unterhaltsame Quiz- und Q+A-Videos publiziert. In den 22 auf zwei CD’s veröffentlichten Coverversionen werden bekannte Popsongs interpretiert. Es werden bei der Liedauswahl auch die Themen Abschied (Hello von Adele) und Suizid (In The End von Linkin Park RIP CHESTER BENNINGTON!!! ) verarbeitet. Die neue Jurorin von “Voice of America” Kelly Clarkson wurde mit einer Coverversion ihres Titels “Medicine” in der Talentshow 2018 vor ein paar Wochen auch von BAM aus England/Wales begrüsst. Kelly Clarkson ist  eine frühe Entdeckung von Simon Cowell, sie produziert jetzt unter einem Dach mit Ed Sheeran bei Atlantic / Warner Music.

Mein absolutes fave-video der Beiden ist der fingierte Einbruch beim eigenen Merchandise-Dealer: Der Drehstuhl-Fight mit den Besenstielen und der anschliessende Drehstuhl-Jump vom Schreibtisch bringen mich auf ganz neue Ideen zur Nutzung meiner Büroeinrichtung.

Man kann anhand des bereitgestellten Materials die nun bald fünfjährige künstlerische und inhaltliche Entwicklung des Duos gut nachvollziehen.

Content

Inhaltlich werden in den Eigenproduktionen bedeutende Bereiche jugendlicher Ontologie behandelt. Liebe, Krisen und die oft schwere Kommunikation mit dem aktuellen Gegenüber finden adäquate textuelle Adressierungen mit R&B-, Elektro- und Hiphopbeats. Mit ein wenig Lebenserfahrung weiss jeder, dass sich die Themen im Prinzip im weiteren Lebenslauf nicht grundsätzlich verändern – bis auf die Rassel um die Knete (making money) bleiben die ontologischen Befassungsthemen oft so bestehen. Mit etwas Übung und Bereitschaft zur Selbsterfahrung erarbeitet man sich ein besseres Händchen im Umgang mit den häufigsten Klippen des Zusammenseins.

Hair!

Eine weitere kulturelle Lesart hat sich im Schulalltag in Norfolk in 2015 gezeigt. Hier wurden Schüler vom Untericht ausgeschlossen,weil sie Frisuren trugen, die dem Direktor nicht in sein Regelwerk passten. Mit der unsäglichen Schuluniform sollte der staatliche Eingriff in die Selbstbestimmung der Schüler eigentlich begrenzt bleiben. Durch aufgebrachte Eltern auf Facebook drang diese Form der Disziplinierung/Bullying in die Öffentlichkeit, der Frisurtyp bekam das Label “meet me at mc donalds haircut“. Leondre und Charlie haben mit ihren Frisuren eine popkulturelle Normalität dokumentiert, die auch in die Klassenzimmer wirken kann.

Grundsätzlich propagiert das Duo positive Zukunftsaussichten. Autonomiebestrebungen, Verschmelzungskonzepte, Verpartnerungsideen und Abschiede werden sinnvoll gegenüber gestellt und abgewogen. Das leider im Rap  immer noch oft anzutreffende Abwertungsgehabe gegen Dritte findet bei den beiden Jungs glücklicher Weise keine Basis. Freundlichkeit und unterstützendes Verhalten sind die massgebliche Haltung.

A bigger picture

Wenn ich Leondres Narrativ richtig verstanden habe, ist es ihm damals gelungen, aus traumatisierenden Schulwegeerfahrungen mit der peer-group einen konstruktiven Ausweg mit Hilfe des Textschreibens und des HipHop zu gehen. Mit der Weiterentwicklung zum Popstar als Duo konnte er seine Message einem breiten Publikum vorstellen. In der Suche nach Kontakt zu Fans und deren Lebensgeschichten wird aus einer ehemals fast hilflosen Opferfigur ein selbstbewußt handelndes Subjekt mit Ausstrahlungskraft auf die Jugend- und Erwachsenenkultur. Man darf nicht vergessen, bei BGT sassen überwiegend Erwachsene, die seine Botschaft gleich verstanden und mit stehenden Ovationen belohnt haben – den Golden Buzzer hat das Publikum lautstark von der Jury eingefordert.

Dass auch finstere Wege aus einer Ohnmachtserfahrung nach seelischer Beschädigung  beschritten werden können, konnte man an der Biographie von Robert Steinhäuser aus Erfurt vor einigen Jahren studieren. Er hat Schüler und Lehrer seiner ehemaligen Schule erschossen und sich anschliessend selbst mit der Waffe das Leben genommen. In Florida ist vor kurzer Zeit auf Grund eines vergleichbaren Attentats in einer Lehranstalt von den Schülern über die gesamten USA eine öffentliche Kampagne “Stop the killings!” um das seit längerer Zeit umstrittene Waffenrecht losgetreten worden. Wenn aus beschädigten Leuten Beschädiger Anderer werden, dann spätestens besteht akuter Handlungsbedarf.

Ich befürchte, viele Mobbingopfer geben auf, verlieren sich in in Depressionen oder einer Sucht, sind isoliert und knuspern zu viele Lebensjahre oft ausweglos an ihren Übergriffserfahrungen. Richtig schief geht es dann,wenn bilanziert und das eigene Leben als gescheitert betrachtet wird. Wer das überlebt, gerät spätestens dann in die Hände der Profis. Ein sehr weites Feld.

Der Gründungsmythos von BAM, die “Hopefull”-Performanz,  steht in diesem Zusammenhang wie ein solitärer Leuchtturm fest im weiten Ozean der Popkultur.

Perspectives

Im aktuellen Album „Generation-Z“ sehe ich ein grosses Potenzial für die Beiden, über die bis heute erarbeitete Zielgruppe hinaus wirken zu können. Nicht, weil sie ein Sprachrohr der Leute, die um das Jahr 2000 herum geboren wurden, sein wollen. Vielmehr ist hier eine beständige Kombination aus Hiphop- , Elektro- und “klassischer” Gesangs-kultur im Praxislabor der Popkultur bei der Arbeit zu beobachten. Der Weg der Projektion auf die beiden Sänger kann als Zeitgewinn für diejenigen Menschen fungieren, die sich in ihren Krisen alleine fühlen. Über Kontakte im Rahmen der Fanbase und der damit verbundenen virtuellen Aktivitäten kann ein Kommunikationsraum neu eröffnet werden. Das scheint mir eine wichtige soziale Funktion der Internetpräsenz des Duos zu sein.

Natürlich geht es auch um das Geschäft. Das findet Live, auf der Bandhomepage oder bei Spotify und i-tunes statt. Genauso wichtig erscheint mir aber die ethische Grundhaltung zu sein, mit der das Kulturprodukt angeboten und umgesetzt wird. In den grossen Plattenläden (Dussmann, Saturn + Mediamarkt am Alex) findet man deren Musik heute übrigens nicht. Immerhin haben sich bis dort hin schon Zayn Malyk und Harry Styles in die Regale gesungen. One-Direction waren in 2010 auch eine Entdeckung von Simon Cowell mit einem neuen und sehr erfolgreichen Boyband Image – alle 5 Sänger verfolgen heute ihre Solo-Karrieren im Unterhaltungsgeschäft.

Duo,a rare thing

Mit BAM wurde eine neue inhaltliche Linie als Duo in den Markt gebracht, die von den Künstlern selber über die Nutzung der sozialen Medien und Tourarbeit stetig weiter entwickelt wird. Das Duo-Format ist eine seltene Orchidee in der zeitgenössischen Popmusikgeschichte. Verbreiteter sind befristete Kooperationen für einen Song, eine Platte oder vielleicht noch eine Tournee. Nach nun fünf Jahren stetiger Kolaboration von Rap und Gesang hoffe ich bei “Bars&Melody” auf einen gefestigten Arbeitszusammenhang. Die Produktionen bis heute lassen diese Hoffnung zu. Es bleibt viel Arbeit zu tun, um diese Energie in die Erwachsenenwelt herüber zu tragen.

Egal ist, ob Rap und Gesang abwechseln, Solo oder beide Stimmen im Duett singen. Es wird immer Neues geliefert. Die Beiden entwickeln sich kontinuierlich weiter, beziehen ihre Fans ein und können von ihrer Kulturarbeit hoffentlich gut Leben. In 2017/18 sind sie von Polen bis Griechenland/Athen mit ihrem neuen Album “Generation-Z” getourt.

Der Ästhet geniesst nur die Kunstdarbietung, die Mühseligen und Beladenen spiegeln sich im Text und Vorbild und können neue Wege gehen. Mit meets, greets, hugs, hip, hop und good performance müsste das Projekt weiter gut funktionieren. Ich bin über die eher schweren Themen Mobbing und Bullying nun direkt in den Himmel der Popmusik zurück geholt worden. Die Beiden haben mir mit ihren Projekten bis jetzt schon viel Freude gemacht.

CHECK IT OUT, KEEP YA HEAD UP AND STOP THE HATE !!!     Zuppi

PS 1: Ich denke auch über die beiden Konzerte von Ariana Grande im letzten Jahr in Manchester nach. Die Entscheidung, auf ein Popkonzert zu gehen, ist nach dem Selbstmordattentat nicht leichter geworden. Das Benefiz Konzert “one love manchester” open-air im Stadion war ein wichtiges Symbol gegen die Angst und den Haß. Ich bin allen Unterstützern dieses Mega-Projektes noch heute sehr dankbar.

PS 2: Das globale Format der Talentshows in Verbindung mit den sozialen Medien öffnet den Künstlern neue Wege zum Erfolg. Die Zuschauer haben Partizipationsmöglichkeiten auch über die Ausstrahlungsphase der TV-Shows hinaus. Und vor Allem können die Werdegänge der Künstler umfassend in den sozialen Medien nach vollzogen werden. Die Inhalte und Techniken dieser multimedialen Inszenierung versuche ich mir klar zu machen. Ein Leben ohne Musik und Freunde kann ich mir nämlich nicht vorstellen.

Berlin, 04.03.2018

License

UPDATE: Aprildiskussion in Berliner Tagesspiegel “Mobbing in Berliner Schulen. Was bei WhatsApp passiert, kümmert keinen“ . Der britische Sänger Ronan Parke hat schon als 12 jähriges Nachwuchstalent Erfahrungen mit virtuellen Mobbingattacken machen müssen. In 2014 hat er zu diesem Thema ein ermutigendes Musikvideo produziert und bei youtube hochgeladen: Defined.

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Sylke Tempel,farewell

October 6, 2017

 

Das letzte Treffen mit Sylke Tempel ist schon ein paar Jahre her,eine Diskussionsveranstaltung zum Iran irgendwo in Berlin-Mitte. Ihre Beiträge waren wie immer präzise und auf den Punkt genau argumentiert. Die schon damals sehr angesagte Äquidistanz zu Israel war ihr fremd. Nicht nur für diese Stringenz habe ich sie immer sehr geschätzt. Es gab bei ihr kein ideologisches Kaufmannsgeschacher. Nun ist es zu spät, es wird keine Treffen oder Debatten mit ihr mehr geben. Sylke wurde gestern von einem Baum erschlagen und ich kann das nicht fassen: In Tegel von einem BAUM!

Nachrufe gibt es z.B. von Shimon Stein , Arbeitgeber in Berlin , DGAP-Direktorin Dr. Daniela Schwarzer

 

Deniz Yücel

March 1, 2017

freedeniz

Bis er frei kommt wird geholfen.

Farewell Lemmy Kilmister

January 3, 2016

Der Baßmann singt nicht mehr

Meine letzte Begegnung mit Lemmy war im Sommer 1989 im alten Tempodromzelt, 4 Tage nach dem Konzert konnte ich wieder mein normales Gehör nutzen, Rock N Roll !!

Ronald M. Schernikau im RBB

February 11, 2015
Mit 6 Jahren aus der DDR von Mutti in die BRD nach Hannover  verbracht, mit 26 Jahren die Rückkehr nach Leipzig als Literaturstudent in den ausklingenden Realsozialismus, mit 31 Jahren an AIDS gestorben. Claudia Müller hat eine Doku über Ronald M. Schernikau abgeliefert. Freunde und WeggefährtInnen kommen zu Wort. Wer in den 80ern und den frühen wendeneunziger Jahren im Berliner Kulturuntergrund unterwegs war,konnte den überzeugten Kommunisten treffen. Den Pressekonsumenten wurde der schwule Literat in Zeitungen und öffentlich-rechtlichen TV-Beiträgen bekannt gemacht. Es bleiben seine Literatur und seine Einlassungen auf  diversen Veranstaltungen.

Drei interessante  Phrasen von damals für heute:

  • Können Kommunisten einen Sozialismus aufbauen,vor dem die Leute nicht weglaufen?
  • Die Dummheit der Kommunisten ist kein Argument gegen den Kommunismus!
  • Wie kommt die Scheisse in die Köpfe der Leute?

Alles was ich weiss,ich habe einen DDR-Ausweis

https://i0.wp.com/www.missetaeter.info/wp-content/uploads/2010/10/21-Schernikaus-DDRAusweis_605.jpg

Die Doku: Verliebt in die DDR
Mi 11.02.15 00:15 | 44:09 min | verfügbar bis 18.02.15

Apropos Berlin: Westberlin geht auch den Bach hinunter

je suis nico

January 23, 2015

nun hat sich nico sarkozy doch wieder in das spiel der französchen öffentlichkeit gebracht. anlass war der trauermarsch für die opfer des charlie hebdo attentats in paris. dort ging es ja um vieles: die pressefreiheit, die dokumentierte gegnerschaft der pariser strasse gegen das mordgesindel, für nationalen zusammenhalt, etc..

in den vip-block dieser manifestation der regierungschefs hat sich nico als abgehalfterter ex-präsi hineingemogelt wie fler an das rapmikrofon. was der royal-bunker für fler war, das ist twitter nun für sarkozy, mein lieblingsfoto aus den tweets habe ich hier mit abgelegt. sarko war also auch mit dem dude beim bowling. soso…..

Charlie et la republique

January 11, 2015

Es ist schon ein krasser postmoderner Ritt von Charlie Brown und Charlie Hebdo hin zu zwei djihadistischen Mordmassakern in einer Zeitungsredaktion und einem jüdischen Supermarkt. So eine Räuberpistole können sich nur Illuminaten oder islamistische Mordbrenner ausdenken. Auf das unten stehende Foto bin ich auf einer britischen Zeitungsseite gekommen. Immerhin werden die konkreten Anschlagsopfergruppen im Foto einbezogen (upps, 3 Flics). In den Strassen von  Paris scheint sich ja heute doch eher der französische Staat als Opfer zu empfinden. Nun ja, der iss ja ooch ein Subjekt.

je suis juif,je suis charlie,paris 2015

je sui juif,je suis charlie

Nun haben die Mordbuben des radikalen Islamismus wieder in Europa zugeschlagen – London und Madrid sind noch in schmerzlicher Erinnerung. Karikuratisten und Kunden eines jüdischen Geschäfts wurden letzte Woche exemplarisch von drei Djihadisten in Paris hingerichtet und drei Sicherheitskräfte mussten auch dran glauben. Deren Agenda wird aktuell in Syrien und Irak mit hoher Publizität vom IS durchgeschlachtet. Kurden,Christen und Schiiten haben dort dafür schon mit hohem Blutzoll bezahlen müssen.

Ich bin beeindruckt von der grossen Anzahl der Demonstranten in Paris, die sich hinter die Angehörigen der Mordopfer und die Republik stellen. In eine gesellschaftliche Spaltung a la Marie LePen mag sich dort keiner einreihen wollen. Wie sich Holland oder Merkel dort staatspolitisch an der Demospitze präsentieren,scheint Ausdruck des zeitgenössischen europäischen Gedankens zu sein. Es treten Netanjahu und Abbas in einer EU-Demo auf, Netanjahu muss sich hinter die vom grassierenden Antisemitismus gebeutelten Juden Frankreichs stellen; Abbas muss seinen Schulterschluss mit Hamas noch besser an die EU-Elite verkaufen. Daneben laufen ja monarchistische  Magnifizenzen auf, denen der republikanische Gedanke eher fremd sein dürfte. Das europäische Haus hat ein sehr weites Herz. Staatspolitiker wie Holland und Merkel  haben ein Interesse an staatstragender Gemeinschaft, die Spaltungsideen der Rechten und Islamisten stören den inneren funktionierenden Betrieb. Wie weit die Muslime in Frankreich die liberale Republik stützen, wird die weitere Praxis zeigen, die Zeichen von der Demo in Paris geben blasse Hoffnungsgründe.

In Deutschland scheint das Hauptinteresse der Muslimverbände die Anerkennung und pekuniäre Gleichstellung mit z.B. den christlichen Kirchen  zu sein. Das bedeutet konkret: Steuerzuwendungen, Einrichtung von Lehrstühlen an den Hochschulen und Islamuntericht an öffentlichen Schulen. Kurzum, die Basislegung für einen europäischen Islam soll vom Staat mit betrieben werden. Ich vertrete einen Gegenstandpunkt: Religion soll Privatsache werden und die Kircheneprevilegien müssen endlich fallen. Ich glaube auch nicht,dass der Djihadismus nichts mit dem Islam zu tun hat – er ist ein Teil des Islam und die Muslime müssen das Thema klären. Und ich möchte auch nicht auf fruchtlose theologische Debatten warten, die djihadistischen Netzwerken die Zeit verschaffen,um sich hier auch mit Staatsknete festzusetzen und ihr idelogisches Gift vom Kalifatstaat mit langem Atem in die Gesellschaft zu injizieren.

Mein Beileid gehört den Opfern und Angehörigen dieser Mordbrenner. Es muss doch einen Weg geben,die Religionsfreiheit zu erhalten ohne den Staat und die Gesellschaft weiter mit Religion aufzuladen. Und diesen Spannungsidelogen von AfD, Pegida und Djihadfans gehört auch endlich das Wasser abgegraben.

Interressante aktuelle Texte zum Thema:

Freiheit kann man erschießen

“Das hat nichts/etwas mit dem Islam zu tun”  Teil II

Ich bin nur ganz kurz Charlie Hebdo – Spaltung ist Freiheit

Jede Menge falsche Freunde

Linksammlung SonntagsGesellschaft

Nichts mit dem Islam zu tun

Cosmoproletarian Solidarity

– Nico Sarcozy war in Paris ganz vorne mit dabei,wo noch?