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Wie kommt neue Musik in die Köpfe oder genauer gesagt in die Ohren?

July 18, 2018

In den vergangenen Blogbeiträgen habe ich mich mit der Frage befasst,wie kommt die aktuelle Popmusik zu ihren Zuhörern. Eine zentrale These war, dass die virtuell vernetzte Musikszene mit vielseitigen Coverversionen zur Verbreitung der Popkultur beiträgt. Ein weiterer Effekt dieser Produktionspraxis ist die Verbreitung der eigenen Musikproduktionen in diesen Kontexten. Gut organisierte Künstler arbeiten mit Kameraleuten zusammen, die sich um die Produktion der Musikvideos kümmern – ein Extrapunkt, den ich unbedingt noch bearbeiten muss.

Heute frage ich mich,wie war das Früher, in den achtziger Jahren,ohne die vielseitigen virtuellen Musikquellen über die sozialen Medien?

Für mich spielten Freunde und das Radio eine wichtige Rolle bei der Entdeckung neuer und mir bisher unbekannter Musiken. Neben den Radiosendern BFBS und AFN der Alliierten waren die Nachtradiosendungen des WDR eine bedeutende musikalische Inspirationsquelle. Der britische Musikjournalist Alan Bangs schickte ein Mal in der Woche zwischen 22 und 3 Uhr seine Lieblingsplatten aus dem Kölner Radiostudio über den BRD-Äther in meine Kopfhörer.

Mein Selbstverständnis als Weltbürger fand im Sound von Alan Bangs bestückten Plattenteller einen musikalisch passenden Ausdruck, Nachteule war ich sowieso. Diese musikalischen Anstöße wurden durch Musikkassetten und Tonbänder aus meinem Freundeskreis ergänzt. Auf Reisen gab es auch immer wertvolle regionale Musiktipps und am besten waren ohnehin Live-Gigs von Musikern in Läden und Kneipen. Oder einfach auf der Straße, auf öffentlichen Plätzen und nicht zu vergessen an den Meeresstränden. Der Plattendealer des Vertrauens, Flohmärkte und Plattenbörsen rundeten die Musikvielfalt ab – auch wenn der Geldbeutel nie die Wunscherfüllung vollständig abbilden konnte.

Ohne das Nachtradio wären mir Sapho, die Kooperationen zwischen Captain Beefheart & Dr. John und Rebetiko aus Athen nur ein literarisches Erlebnis geblieben. Die Platten wirklich zu hören und für interessant zu befinden ist etwas anderes. Lernt man dann noch die Künstlervertreter und die Live-Hörerschaft später dazu kennen,ist das Musikerlebnis wirklich eine runde Sache. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk war seinerzeit ein kultureller Segen.

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In den späten Achtzigern und ganz frühen Neunzigern ergab sich in Berlin ein weiterer Nexus auf der Basis von Vinyl. In düsteren Kellerverliessen (a sort of dungeons) und spärlich ausgestatteten „Clubs“ wurden Plattenteller, Soundmashines, Stroboscope und Nebelmaschinen aufgestellt. Dj‘s und DJanes legten Platten auf und mischten eine neue elektronische Musikkultur zusammen, die irgendwann als Acidhouse bezeichnet wurde. Für mich war das für einige Jahre ein Soundteppich, der mich mit Freunden in Berlin, Manchester und London verband – für mich lief das ganz ohne Drogen ab. Die Partys wurden in GB über Kassiber (a secret message) oder kleine Zettel subkulturell verbreitet und man wusste um 20 Uhr noch nicht genau,wo später eine Party steigen wird. Die Cops hatten wir immer auf den Fersen, weil dieses Vergnügen von den Staatsorganen in England als illegal betrachtet wurde. In Berlin war das anders, dort konnten wir am Ende der Arbeitswoche auf Radio 100 von Monika Dietl die aktuellen “Raves” in der Hauptstadt vorgestellt bekommen und so den Kulturplan für das Wochenende zusammenstellen. Später kamen noch die DJ‘s aus Detroit als Zuckerguss hinzu. Der elende Abgesang hieß dann Techno. Nun ja.

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