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Echo & die Häschen Männer *

April 23, 2018

Welche Bedeutung hat eigentlich für dich Rapmusic ? Diese kollegiale Frage verursachte diesen Text.
In den frühen 80igern habe ich die Rocksteady Crew in einer Turnhalle in New York City bei ihren Übungen gesehen,im Central Park waren Electric Boogie und Streetdance Performer auch immer unterwegs. Aus Heidelberg kam mit Advanced Chemistry die Frage nach Integration, Identität und Achtung für Migranten endlich auch auf die Tagesordnung – Moses P,ich weiss wo dein Haus wohnt!
Diese Begeisterung an Bewegung zu HipHop Musik habe ich in der Nachwendezeit wieder bei den “Flying Steps” am Breitscheidtplatz und später in der “Berliner Hip Hop Fraktion” in Kreuzberg bemerkt. Ich bin mit Grandmaster Flash, A Tribe Called Quest und den Beasty Boys fast erwachsen geworden.
In Berlin haben mich Justus Jonas, Boba Fettt  und Der Staiger am Ball gehalten, 1000 Debatten über Frauenfeindlichkeit und Homophobie im Westberliner Battlerap führten zu Null neuen Ergebnissen.

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„Bomben bis der Arzt kommt“ Bombing by CBS right next to Gesundbrunnen Station

Quelle: STREETART BERLIN  Bombing by kripoe (1995-2005)

Nun gab es auch andere Erfordernisse als Moves, Bars und Vibes: Es ging um die Verschönerung von Freiflächen an Brücken und Autobahnabfahrten und die Bekämpfung von Nazitags im Wohnumfeld. Es waren verdammt gute Sprayer unter diesen Battlerappern und unter der Gasmaske musste man nicht viel reden sondern gute Bilder und Bombings fabrizieren. Ohne diese Leute wäre ich nicht an Hakan&Illusion aus München geraten, die Beiden haben mir bessere Beatz und Texte in die Hauptstadt geschickt und meine Errungenschaften des neuen Jahrtausends waren die Plattform HipHop-Partisan und vor allen Dingen NMZS – dieser Rapper hat Flügel – und Koljah aus Düsseldorf, die mich am Rap in Deutschland eben nicht verzweifeln liessen sondern wieder Hoffnung gaben.
Mein Problem waren nie die Fantastischen Vier. Sie sind nicht mein Fall, aber sie richten kaum Schaden an. Die geistigen Brandstifter für Antisemitismus, Judenhass, Schwulenhass und Frauenfeindlichkeit in der Jugendkultur sind nicht nur die Gangsterapper. Um die Mitte herum treffen sich Antiimperialismen jeglicher Couleur: Hier wachsen Verschwörungsideen von einer angeblichen zionistischen Weltordnung mit den Populisten von AfD und CSU zusammen. Und selbst eine friedensbewegte Grüne kann sich in der Israelkritik mit dem Erdoganwähler aus dem nachbarschaftlichen Gemüseladen in ihren Weltverbesserungsidealismen messen.
Nun hat auch Daniel Barenboim – ein Musiker und Dirigent,den ich hier in Berlin sehr schätze – die Echos für seine Projekte (West-Eastern Divan Orchestra) zurück gegeben. Und ich sehe mich genötigt, den Rap auch als Kunstform in unseren Breiten gegen seine ärgsten Ausbeuter und Feinde zu verteidigen. Die Bushidos und Kollegahs, die mit schlechten Bars und ohne jegliche Stimme nur Abwertung, Opfermythen in Tüten und NWO-Ideologie;  letztendlich ein “Brother against Brother- Konzept” in die Köpfe unserer Kids legen. Das hat mit Hip Hop – Kultur und mit Musik weniger zu tun. Es ist eher das Ausbleiben eines europäischen Glücksversprechens auf ein wirklich besseres Leben, das ohne Störenfriede (Flüchtlinge, Juden, etc..) nicht auskommen mag. Hier bewegen sich Kollega und Konsorten wie ein Elefant in einem Porzellanladen, aus dem das Porzellan und die schönen Regale schon längst heraus getragen wurden.

Im Januar war ich im Columbia-Theater und konnte ein neues Musikformat in der Generation-Zero – Rap und Gesang – Bars and Melody aus England erleben. Mir ist es tausendmal lieber,wenn sich junge Leute ermutigende Musik gegen Mobbing und für die Erfüllung ihrer Liebeswünsche ‘reinziehen als diesen Auswurf an Hass. Dieser aktuell in Rede stehende “Gangsterrap” im teutonisch-migrantischen Gewand ist ohne Frage kommerziell erfolgreich und der Leumund des Echos ist mir ehrlich gesagt gleichgültig. Wenn die Musikindustrie in Deutschland der Auffassung ist, sich exponiert Antisemiten anzubiedern, ist das ein treffliches Aushängeschild des hiesigen kommerziell potenten Kulturverständis.

Aber Hass führt in die Irre, ist psychisch destruktiv und vermittelt Werte,die für eine tragfähige Zukunft in einer sonst eher kalten Welt nicht hilfreich sein können. Und von einer Idee vom persönlichen Glück ist man damit auch Lichtjahre entfernt. Vor allen Dingen: Damit gewinnt kein Mensch Liebe oder Freunde !

*Headline reference

UPDATE 25.4.2018: Der Echo schafft sich selber ab. Er hat Schaden genommen und verantwortlich dafür sind nicht etwa die Jury 2018, die zurückgegebenen Echos oder Campino.

… Auch steht für den Vorstand außer Frage, dass Deutschland als drittgrößter Musikmarkt der Welt zur genre- und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern weiterhin Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter braucht. Man wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird.

Dieser “Leuchtturm” Echo hat also nicht etwa Schaden genommen,weil die Industrievertreter lupenreinen Antisemiten eine Plattform geboten haben,sondern weil dieser Antisemitismus und die anderen Ekelhaftigkeiten auch so von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Also, wenn ihr mich fragen würdet,ob der angedrohte Nachfolgepreis weniger ekelhafte Überraschungen bereit halten wird, müsste ich nach dieser Presseerklärung mit NEIN antworten. Zur Meinungsfreiheit gehört,das Kollega und Konsorten ihre dubiose Musik produzieren und verkaufen können. Inhaltlich muss man diese Ideen aber fronten und kritisieren und deren Epigonen zumindest mit der notwendigen Aufklärung belästigen, welche Ideologien sie dadurch teilen.

Jan Wiele von der FAZ ist da etwas gnädiger:

… Die „gesellschaftlich notwendige Debatte über Kunstfreiheit und ihre Grenzen“, die der Musikverband nun bei einem Workshop zur Neugestaltung des Preises im Juni „mitgestalten will“, ist eben das: gesellschaftlich notwendig, das heißt, sie muss nicht nur angesichts eines zweifelhaften Trashfernseh-Events geführt werden, sondern dauerhaft mit und unter allen, die mit den betreffenden „Kunstprodukten“ zu tun haben, besonders in der Jugendkultur. …

Ich bin jedenfalls gespannt,wer aus der Schreiber- und Denkerzunft sich für so eine durchsichtige Debatte ab Juni 2018 hergeben wird? Für Vorschläge wäre ich schon heute dankbar.

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