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Death in Chicago. Tears in Washington.

March 25, 2018

Moishe Postone ist tot. Die Herrschaften von KONKRET haben einen Nachruf und ein letztes Interview mit Postone ins Netz gestellt.

….  Seine theoretischen Arbeiten zur Weiterentwicklung der Marxschen Theorie sind für eine Kapitalismuskritik auf der Höhe der Zeit von großer Bedeutung. Der hierzulande bekannteste Aufsatz Postones mit dem Titel “Nationalsozialismus und Antisemitismus” hat Diskussionen angeregt, ohne die es um die Antisemitismuskritik der deutschen Linken noch schlechter bestellt wäre.

Auf der Homepage der Universität Chicago kann sein Hauptwerk nachvollzogen werden. Ohne Ihn und manche Andere wären die letzten 30 Jahre eine linksintellektuelle Ödnis geblieben. Schutzgötter im Bücherregal und hoffentlich auch im strukturierten Denken.

Danke und Farewell Moishe Postone.

UPDATE: Stephan Grigat hat zum 29.03.2018 in der jungle-world #13/2018 einen vortrefflichen Abschiedstext veröffentlicht: Ein Nachruf auf den Theoretiker Moishe Postone. Revolutionär der Antisemitismuskritik. Er war einer der radikalsten und höflichsten Theoretiker der Linken. Zum Tod von Moishe Postone, dem diese Zeitung viel zu verdanken hat.


 

Der gestrige “March for our lives” in Washington hat mich weiter beschäftigt.

 Auf der Abschlusskundgebung hat Emma Gonzalez nach einem kurzen Statement mehrere Minuten stumm in die Menschenmenge vor dem Podium gestarrt. Sechs Minuten und 20 Sekunden schwieg Emma Gonzales. So lange dauerte das Massaker an ihrer Schule in Parkland/Florida. Ein Gedenken an die Zeitspanne, in der sie und die betroffenen Schüler den Horror des Massakers ertragen mussten.

Stille ist auch  ein probates Mittel,wenn man eine Fülle von Interessen, Meinungen und Befindlichkeiten unter einen Hut bringen will. Ich kann mir kaum vorstellen, wieviele Strömungen auf Emma in den letzten Wochen eingeprasselt sind. Neben den Betroffenen an der Schule in Florida – die sich noch inmitten der Wut, Verzweifelung und Trauer über die Toten und Verletzten befinden – sind sicherlich noch die Kampagnenunterstützer und die Medien an sie heran getreten. Und wahrscheinlich sind auch jede Menge Haßerfüllte über sie hergefallen. Unter so einem Druck den Fokus auf die Kampagnenziele zu behalten ist schon für Profis schwer. Für eine Schülerin muss das ein fast unaushaltbarer Druck sein. Dann stand sie gestern auf dem Podium wie ein Fels in der Brandung und schaut still mit Tränen im Gesicht in die Menge der Kundgebungsteilnehmer. Eine zukunftsträchtige junge Frau ist nun auf dem Politparkett der US-Öffentlichkeit angekommen und ich verfolge gespannt ihren weiteren politischen Weg.

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