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Jugendlicher in Athen-Exarchia von Polizisten erschossen

December 7, 2008

In Athen wurde gestern der  15/16 Jahre alte Jugendliche Alexandros Grigoropoulos (Foto)  von einem Polizisten erschossen. Während offizielle Stellen von einem Querläuferschuss berichten, erzählt eine Anwohnerin des Viertels Exarchia auf Indymedia-Rom eine andere Geschichte:

Ich bin Italienerin und lebe in Athen. Die Nachrichten, die hier kursieren, lauten etwas anders. Es gab keine Brandflasche. Vor den Schüssen durch den Bullen hatte es keinen Kampf gegeben. Alle wissen, dass Exarchia ein Viertel ist, das nicht bloß als “alternativ” gilt, sondern als eins, das fast durchweg politisiert ist, was historische Ursachen hat, die auf die Zeit des Widerstands gegen die Militärdiktatur zurück gehen und auf die Revolten an der Polytechnischen Fakultät (die in der unmittelbaren Umgebung des Viertel steht). Es stimmt, dass man oft Stadtguerilla-Episoden und Auseinandersetzungen mit der Polizei erlebt, es stimmt aber auch, dass Letztere (die allabendlich von 11 Uhr an in kriegerischer Kampfmontur das gesamte Gebiet abriegelt – ohne echte Gründe, um dies zu tun, weil das Viertel ein Ort voller Bars und Lokale ist, die wirklich von Menschen aller Art besucht werden) nicht ohne Weiteres “betritt”, es sei denn, außer, es ist etwas wirklich Besonderes vorgefallen oder weil sie es MIT DEM KLAREN ANSINNEN, ZU PROVOZIEREN tut.

Dieser ist ein solcher Fall. Eine Gruppe von extrem jungen Menschen hat angefangen, den Bullen hinterher zu rufen und es wurde eine LEERE Bierflasche in Richtung der Streife geworfen. Der tragische Ausgang ist, dass eine von diesen Bestien (was mir wichtig ist, zu betonen, weil es mich ungemein beeindruckt hat, als ich sie zum ersten Mal näher angesehen habe: sie sind wahnsinnig jung, zwischen 18-19 und 30 Jahren höchstens) aus dem Auto gestiegen ist und drei Schüsse direkt ins Herz eines der Jugendlichen abgefeuert hat. Er war sofort tot. Jetzt brennt die ganze Innenstadt von Athen, die völlig verwüstet ist. Es ist mir nicht möglich, das für etwas verwerfliches zu halten. Es ist mir nicht möglich, nicht zu weinen. (Link)

Die Todesnachricht führte zu einer entschlossenen  Solidaritätsbewegung in Tessaloniki und anderen Städten, sie  reichte bis Kreta und Korfu.

Vor zwei Jahren brannte Frankreich, weil Polizisten einen Jugendlichen hetzten und dieser auf seiner Flucht in einem Trafohäuschen zu Tode “gegrillt” wurde.  Frankreich stand daraufhin über sechs Wochen in Flammen und der Politikerarsch, der dazu noch Öl ins Feuer gegossen hatte,  ist heute Ministerpräsident und Chef der EU.

2001 erschoss ein 19 jähriger Carabinieri in Genua im Rahmen einer Grossdemonstration den 23 Jahre alten Anarchisten Carlo G,  Berlusconis Rachekampf gegen die Linke Italiens hatte und hat auch diese mörderichen Züge, auch die Misshandlungen in der Diaz-Schule  gehörten zu dieser antilinken Strategie.

Die Ermordung von Jugendlichen durch Polizisten ist ein Skandal und die Unfallversion der athener Polizei ist zumindest zweifelhaft. Die angespannte Situation in Griechenland  ist möglicherweise durch die anhaltenden sozialen Proteste bedingt, die sich seit Wochen gegen Kürzungsprogramme der konservativen Regierung wenden. Wenn staatliche Organe Krieg gegen ihre Jugend führen, dann läuft mächtig ‘was schief.

UPDATE Dienstag + Mittwoch : Der Todesschütze wurde zeitnah inhaftiert, der erschossene Junge (dessen gutbürgerliches Elternhaus immer wieder betont wird)  wurde am Montag beigesetzt, die Strassenschlachten flammen in Athen  immer wieder auf.  Die Nachrichten werden  von Berichten über autonome Gewalt versus friedliche Proteste dominiert. Das Militär wird vermehrt “herbei gebetet”.  Ein Generalstreik für höhere Löhne legt Griechenland / Athen lahm, Gewerkschaftsdemos.  Aus  Patras werden Angriffe von Neonazis auf linke Demomstranten unter Duldung oder gar Mitwirkung der Polizei  berichtet – ähnliche Erfahrungen gab es 2001 auch  in Genua.

references:
Erasmusstudis  bloggen aus Athen: Im Schatten der Akropolis via mmmatze (twitter)
Schimpfe für “die Autonomen” in Hellas  gibt’s von Zirkumflex

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