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Zuppi im Salon

November 30, 2008

Durch Paule bin ich auf die Buffy-Konferenz im Roten Salon aufmerksam gemacht worden. Ein letzmalig von mir aufgesuchter Ort im Rahmen der Präsentation des “Empire Buches” von Michael Hardt – August Diehl trug im Roten Salon vor einigen Jahren zur Voreinstimmung auf die Buchpräsentation an der Rosa Luxemburg Bühne progressive Texte vor und eine schrille Frau witterte schon dabei lautstark Antisemitismus, was sich im Haupthaus bis zur Grotesque fortsetzte, denn die Veranstalter waren mit derlei überwertiger und lautstarker Wahrnehmung – “hab ich da eben wieder DIE JUDEN gehört?” – total überfordert.  Ich konnte den andauernden Einwänden der schrillen Frau einen Sinn abgewinnen, sie war eine sensible Seismographin bewegungslinker Sinnproduktion, die sich mit ihrem Antiamerikanismus, Antiimperialismus und Befreiungsnationalismus zu oberst gegen das Finanzkapital (als antijüdische Chiffre)  wendet – was später selbstkritisch / euphemistisch als verkürzte Kapitalismuskritik von links theoretisch entsorgt wurde.

buffy-inverse

Zu heute: Ich habe mir 2 Stunden  Zeit für die “Buffy-Linke” genommen – ehrlich gesagt ist das noch der sympathischere Teil der Linken: Kritische Theorie gepaart mit Ideilogiekritik an der Kulturindustrie und den Diskursen um sie herum sind auch der Aufklärung förderlich – die thematischen Abgrenzungen des Buffythemas waren im Vorfeld schon virtuell transparent nachvollziehbar. Und ja, ich bin auch ein Fan der Serie Und  – wenn auch hauptsächlich der ersten drei Staffeln. Nebenbei bekommt man auf so einer Konferenz einige Sonderformen von Kommunismusverständnis mit geliefert. Von Naturjugendfreund, Arbeiterfreund bis zum Weltraumkommunisten sind allerlei Spielarten marxistischer Gesellschaftsinterpretation auf ihre Weise dort vertreten.

Konkret zu Buffy möchte ich die Vorträge

  1. “Frankfurter Schule, Sunnydale High. Allegorien der Kulturindustrie in Buffy” von Lars Quadfasel aus Hamburg und
  2. “Die Gleichzeitigkeit von Horror- und realer Welt. Ideologiekritik und Praxis in BtVS” von Birgit Ziener aus Berlin erwähnen.

Aus seinem Kinostoff “Buffy the Vampire Slayer” (1992) hat der Drehbuchautor Joss Whedon 7 Staffeln Buffy – Im Bann der Dämonen (1997-2003) entwickelt. Dieses Filmcorpus lag den Vortragsbetrachtungen zu Grunde. Beide Vorträge analysierten die Entwicklungen der Rolle von Buffy, Lars konzentrierte sich auf eine an Adorno orientierte ästhetische Einordnung des Stoffs, heraus kam dabei eine Einordnung als Allegorie. Birgit – die im Rahmen ihrer Doktorarbeit zum Thema Vampire ihr Referat über Buffy anfertigte –  kümmerte sich um die ideologiekritische Einordnung der Buffy-Figur, dazu stellte sie einige Ausgangshypothesen auf, die weiter zu entwickeln lohnend  wäre.

Innerhalb der “Gesamtscheisse” gibt es ja kein richtiges Leben und die Kulturindustrie hat die Aufgabe, dass das so lange wie möglich auch so bleibt. Nun gibt es aber Kulturmacher, die Massenunterhaltung als Form und insbesondere deren Zuschauer verachten, sie versorgen konsequenter Weise das Publikum mit Bullshit. Den Machern von Buffy wird diese Attitüde nicht zugewiesen, sie werden aber auch nicht zu Helden überhöht. Lohnenswert ist die Analyse des Mädchens Buffy, ihrer Situation in Sunnydale, ihre Berufung zur Vampirjägerin und was ihr dabei so alles passiert: Freundschaften und Kontakte gehen baden, der Kampf erscheint von Staffel zu Staffel aussichtsloser zu werden und am Schluss endet sie in einem Irrenhaus. Die Darstellung der Subjektwelt von Buffy und die filmische Entwicklung der ihr äusserlichen Bedingungen geben auch für die Anhänger der Kritischen Theorie einiges an Potenzial her. Nicht zuletzt über diese massenkulturelle Referenz werden auch die Teenies der Neunziger in das gesellschaftskritische Denkgebäude aus Frankfurt mitgenommen. Eine Schule, die der Wirkung der Aufklärung in Deutschland nach Auschwitz in extremer Weise misstraute und die der kulturell leicht manipulierbaren Masse der Moderne jegliche Schlechtigkeiten zutraute.

An diesem Denkort will die Buffylinke natürlich nicht verharren. Die ästhetische Eingruppierung der Dämonenjagd als kulturindustriellen Schrott für pickelige Teenies, die „nur“ ihre Zeit totschlagen wollen, ist eben nicht das Ende der theoretischen Fahnenstange – Pessimisten an der Massenkultur reicht freilich diese knappe Diagnose. Welche theoretischen Instrumente von der Buffylinken als tauglich betrachtet werden, ist mir in den 2 Stunden aber nicht so wirklich klar geworden – da bin ich wohl Erkenntnisopfer meines knapp bemessenen Zeiteinsatzes. Aber Kalle Marx, T.W. Adorno und ihre Epigonen werden dort jedenfalls nicht ausgelassen. Ich bin ja sehr gespannt auf die nächsten Coups aus der Buffylinken😉

UPDATE: Die virtuelle Resonanz auf die Konferenz ist auch eine Woche danach  noch etwas verhalten. Paule hat auf dem Blog buffylinke eine allgemeine Anfrage abgelegt

UPDATE 2: Drei Thesen zur Buffylinken von Oliver

references:
Konferenz: She Saved the World – A Lot
Carmen Dehnert & Lars Quadfasel: »I‘m Under Your Spell«
Buffy Studies in Bremen
Buffy-Links zum weiter stöbern
TV-Scripte

5 Comments leave one →
  1. Gaby permalink
    November 30, 2008 9:02 am

    Diese Frau damals war einfach bekloppt und kein Seismograph. Übrigens war die Veranstaltung im Theatersaal und nicht im Roten Salon.

  2. November 30, 2008 9:28 am

    Die Lesung mit August Diehl war im Roten Salon,das Empire Buch wurde im Anschluss daran im Haupthaus auf der grossen Bühne vorgestellt – geplant war eigentlich der Foyer-Raum,aber der fasste die grosse Zahl der Besucher nicht.
    Ich weiss nicht,wie Du zu einer quasi psychiatrischen Diagnose kommst,bist Du Psychiaterin oder kennst Du wenigstens die schrille Frau?
    Und selbst wenn die schrille Frau “bekloppt” gewesen sein sollte,hat sie mit ihren Einwendungen mehr getan, als nur zwei Darbietungen gestört.

Trackbacks

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