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If you want to improve the EU, join Twelve Stars.. Überlegungen zu "Populismus" und Freiheit von Stefan Blankertz .

Wie kommt neue Musik in die Köpfe oder genauer gesagt in die Ohren?

July 18, 2018

In den vergangenen Blogbeiträgen habe ich mich mit der Frage befasst,wie kommt die aktuelle Popmusik zu ihren Zuhörern. Eine zentrale These war, dass die virtuell vernetzte Musikszene mit vielseitigen Coverversionen zur Verbreitung der Popkultur beiträgt. Ein weiterer Effekt dieser Produktionspraxis ist die Verbreitung der eigenen Musikproduktionen in diesen Kontexten. Gut organisierte Künstler arbeiten mit Kameraleuten zusammen, die sich um die Produktion der Musikvideos kümmern – ein Extrapunkt, den ich unbedingt noch bearbeiten muss.

Heute frage ich mich,wie war das Früher, in den achtziger Jahren,ohne die vielseitigen virtuellen Musikquellen über die sozialen Medien?

Für mich spielten Freunde und das Radio eine wichtige Rolle bei der Entdeckung neuer und mir bisher unbekannter Musiken. Neben den Radiosendern BFBS und AFN der Alliierten waren die Nachtradiosendungen des WDR eine bedeutende musikalische Inspirationsquelle. Der britische Musikjournalist Alan Bangs schickte ein Mal in der Woche zwischen 22 und 3 Uhr seine Lieblingsplatten aus dem Kölner Radiostudio über den BRD-Äther in meine Kopfhörer.

Mein Selbstverständnis als Weltbürger fand im Sound von Alan Bangs bestückten Plattenteller einen musikalisch passenden Ausdruck, Nachteule war ich sowieso. Diese musikalischen Anstöße wurden durch Musikkassetten und Tonbänder aus meinem Freundeskreis ergänzt. Auf Reisen gab es auch immer wertvolle regionale Musiktipps und am besten waren ohnehin Live-Gigs von Musikern in Läden und Kneipen. Oder einfach auf der Straße, auf öffentlichen Plätzen und nicht zu vergessen an den Meeresstränden. Der Plattendealer des Vertrauens, Flohmärkte und Plattenbörsen rundeten die Musikvielfalt ab – auch wenn der Geldbeutel nie die Wunscherfüllung vollständig abbilden konnte.

Ohne das Nachtradio wären mir Sapho, die Kooperationen zwischen Captain Beefheart & Dr. John und Rebetiko aus Athen nur ein literarisches Erlebnis geblieben. Die Platten wirklich zu hören und für interessant zu befinden ist etwas anderes. Lernt man dann noch die Künstlervertreter und die Live-Hörerschaft später dazu kennen,ist das Musikerlebnis wirklich eine runde Sache. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk war seinerzeit ein kultureller Segen.

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In den späten Achtzigern und ganz frühen Neunzigern ergab sich in Berlin ein weiterer Nexus auf der Basis von Vinyl. In düsteren Kellerverliessen (a sort of dungeons) und spärlich ausgestatteten „Clubs“ wurden Plattenteller, Soundmashines, Stroboscope und Nebelmaschinen aufgestellt. Dj‘s und DJanes legten Platten auf und mischten eine neue elektronische Musikkultur zusammen, die irgendwann als Acidhouse bezeichnet wurde. Für mich war das für einige Jahre ein Soundteppich, der mich mit Freunden in Berlin, Manchester und London verband – für mich lief das ganz ohne Drogen ab. Die Partys wurden in GB über Kassiber (a secret message) oder kleine Zettel subkulturell verbreitet und man wusste um 20 Uhr noch nicht genau,wo später eine Party steigen wird. Die Cops hatten wir immer auf den Fersen, weil dieses Vergnügen von den Staatsorganen in England als illegal betrachtet wurde. In Berlin war das anders, dort konnten wir am Ende der Arbeitswoche auf Radio 100 von Monika Dietl die aktuellen “Raves” in der Hauptstadt vorgestellt bekommen und so den Kulturplan für das Wochenende zusammenstellen. Später kamen noch die DJ‘s aus Detroit als Zuckerguss hinzu. Der elende Abgesang hieß dann Techno. Nun ja.

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Simon Rattle and Berlin

June 25, 2018
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Simon Rattle & Daniel Barenboim via flickr

 I come from classical music and always come back to her. In between, there is sound! (my musical motto)
I was a lucky guy in Berlin. Till yesterday we had two famous and encouraged conductors in this city. Daniel Barenboim and Sir Simon Rattle.

Yesterday Simon Rattle gave his farewell-performance from the Berliner Philharmoniker (2002 – 2018) in the Waldbühne at Charlottenburg. Together with his wife the soprano singer Magdalena Kožená from Prague. He gave his last concert as the head of this famous orchestra in the capital of germany. It was a very special evening,outdoor into the rainy berlin night. He started with George Gershwins “Cuban-Ouverture”, his wife sang beautiful songs of nature-experiences and love. (Setlist)
References and covers
The “Säbeltanz” from the armenian composer Aram Chatschaturjan has a special link to cinematic-  and ballet-music too. In Billie Wilders movie “1,2,3” from 1961 this musicpiece was also given – there you can follow a not only music-cover from ballet to cinema. It was also an adaption as a frame in storytelling regarding the problems of communist inflicted persons with theire suroundings: In Chatschaturjan Ballet “Gayaneh” (1942),  a communist woman with an alcoholic husband is dealing with daily challenges in a wild russian era. In  Billie Wilders film we have a young communist guy who has to deal with love, a Coca-Cola Boss and the separation of Berlin into east- and west-part of the town in cold-war circumstances.
Music with the masses
In 2003 Rattle gave the Stravinsky Ballet “Le Sacre du printemps” with 250 students of 25 nations from Berlin Schools from primary- to high-school grade. The combination of professional dancers with armateure pupils/students implemented the Philharmoniker and serious music into the young hearts of Berlin and so classical music is a matter of all berlin citizens. A great step to hold this music alive in the next generations.
Pre-production, rehearsals, genre rehearsal and performance at the ARENA will be featured in the documentary “Rhythm Is It!” from 2004, they are demonstrated in a comprehensible way. The dialogue of Gene Kelly with the french kids in the song “I got rhythm” is 67 years old. In Rattle’s staging in 2003, the young people are no longer just listeners but actively participate in the staging – after hard dancing rehearsals. So the movietitle is not an accident or coincidence. It follows an artistic thread that aptly describes youth participation in the art process.

In the end, as usual in the last performances in the Waldbühne, Paul Linckes “Berliner Luft” was given as the last piece to bring the guests out of the place . So the 20 000 guests were guided directly home via Metro, Stadtbahn, Bus or car.

So, dear Berliners, if you met masses of enchanted persons dressed in raincoats, do not be afraid. That were classical music addicts.
After 16 years with the Berliner Philharmoniker Rattle moves professionally to London, but he will stay residently in Berlin with his wife and the three children. A few days ago, the Orchestra farewelled Rattle with a very special donation, an original transcription of Haydns “Schöpfung” from 1800. Symbolically it is a gift for a professionell upcoming home, even to the Island where Haydn worked the former days.
Now a unique conductor leaves the city, he was following an idiosyncratic way of thinking. Having brought a prussian orchestra in that direction seems surreal. I can hardly believe it today, but it was a time of dawn into the 21st century and I had many occasions to be there. Thank you very much, Sir Simon Rattle for that opportunity 😉

The Press: Das Ende der Ära Rattle von Frederick Hansen

aus der alten welt

June 6, 2018

Aus aktuellem Anlass kann ich mir eine Replik auf das europäische Kulturjahr 2004 nicht verkneifen.

Theodoor „Theo“ van Gogh war ein niederländischer Filmregisseur, Publizist und Satiriker. Er wurde am 2. November 2004 vom islamischen Fundamentalisten Mohammed Bouyeri ermordet.

Theo van Gogh hat in diesem Jahr einen Film herausgebracht: “Submission: Part I

A short film on the mistreatment of women in the Islam. It shows abused women, with Koran texts on their bodies that validate their mistreatment. Director:Theo van Gogh. Writers: Ayaan Hirsi Ali (scenario), Theo van Gogh
Nach dem 2. November 2004 bekamen die Ausverkäufer der liberalen und offenen Gesellschaft in Europa Oberwasser, islamischer Tugendterror wurde zur kulturell schützenswerten, defensiven Besonderheit deklariert. “Religiöse Diskurse” belästigen nicht nur mich seitdem pausenlos. Antisemitismus wird immer salonfähiger in Europa und der freie Westen macht sich klein. Die Verfilmung des Buches von Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ – das bedeutet Submission in französischer Sprache – ist ein zaghafter Versuch, diese Barbarei mit den Mitteln des Spielfilmes zu erfassen. Alles Weitere kann bei bersarin oder an anderen Orten verfolgt werden. Ich befinde mich seit dem 11. September 2001 in einer schier permanenten Fremdschämphase.

aus der neuen welt

June 4, 2018
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Berlin Tegel, New York JFK, Washington Dulles, Paris Charles-de-Gaulles und Berlin Tegel waren meine Flughaltepunkte im Mai 2018. Ich mag weder Flughäfen noch diese dort stattfindenden Proceduren. Weite Reisen sind ein einzigartiges Ungemach,somit auf keinen Fall Selbstzweck. Eine Schiffspassage wäre schlicht und ergreifend zu langwierig und der Landweg in den USA ebenso. Also habe ich in den sauren Apfel gebissen und die neuen Eindrücke rechtfertigten den Aufwand. Ein Lichtblick war in Paris Charles de Gaulles zu verzeichnen: Ich konnte mir mit zwei Damen aus Russland und einem Perser im Terminal D in einer verglasten Raucherzelle nach 12 Stunden endlich eine Zigarrette anstecken. Das Unterhaltungsprogramm von Air-France auf dem Rückflug war optimal auf meine Interessen zugeschnitten. Ich hatte endlich die Gelegenheit, die WK-II – Spielfilme über Winston Churchill und Dunkirk  anzuschauen – hier die Filmkritik von James Heartfield. Merci vielmals nach Paris.

Memory Lane I

Ich achte an den USA die liberale Grundhaltung seit der Unabhängigkeitserklärung von der englischen Krone in 1776. Diese Abgrenzung von Absolutismus und feudaler Kolonialisierungspolitik aus old-europe hat die Moderne erheblich voran getrieben. Nicht wenige Europäer haben den Weg in die Neue Welt gesucht,weil sich die Alte Welt als unnützlicher Ort zum eigenen Vorankommen erwiesen hat. Unterdrückung, Hungersnöte und wenig Zukunftsperspektive führten Viele aus Europa über den grossen Teich in die USA. Dies ist das nun auch von mir genutzte historische Band, denn ein Teil meiner Familiengeschichte kreuzt sich an diesen Bruchstellen.

Ich bin überzeugter Europäer mit transatlantischer Verbindung in die USA und nach Kanada. Die aktuelle Zerstreuung dieser Kooperationsidee durch nationalistische, populistische und schlicht hasserfüllte Konzepte schmerzt mich sehr. Die Beschleunigung des Kapitalismus und die voranschreitende Digitalisierung unseres Alltags sind für mich keine hinreichenden Begründungen für diese Zerfallserscheinungen. Vielmehr können Vertrauensverluste in Institutionen und psychotische Verarbeitungen im politischen Raum diese Zersetzung besser beschreiben.

Rettungsring Blogosphäre

In der digitalen Epoche der Forumsdebatten und später in der Blogosphäre hat Zettel diese Tendenzen immer beschrieben und kritisiert. Er ist am 25. Februar 2013 gestorben,sein Blog Zettels-Raum wird von seinen Freunden in seinem Sinne weiter geführt. Unsere Blognachbarschaft  hat er in einem Text 2007 vortrefflich zusammen gefasst. Aktuell erinnert mich das Aisthesis-Blog und bersarin – ich habe sein Blog seit 2009 auf meiner Linkliste –  an diese Qualität in Analyse, Kritik und Grundhaltung. Sein kürzlicher Kommentarbattle mit den Charaktermasken des Antiimperialismus am Beispiel 70 Jahre Israel haben mein Herz gewärmt und ich bewundere seine Aufrichtigkeit, nicht nur in dieser Angelegenheit. …

Off-Topic aber trotzdem wichtig!

Uppps, in diesen Beitrag hat sich Code eingeschlichen,den ich nicht mehr loswerde. Sei es drum. Ja, ich bin Fan der Star-Trek-Saga – die Kinofilme habe ich alle gesehen, bei den Serien habe ich massgebliche Lücken. Der Serie Star Trek: The Next Generation  konnte ich noch folgen. Hier spielte Wil Wheaton den Fähnrich Wesley Crusher. Den Älteren kann der Schauspieler auch aus dem 1986 veröffentlichen Spielfilm “Stand by me” bekannt sein. Eine hervorangende Nebenrolle hat er in der TV-Serie “The Big-Bang-Theory III-XI” gespielt – hier hat er Dr. Dr. Sheldon Cooper erheblich angestrengt. Nun hat Wil Wheaton seine chronische Depressionserkankung und Angsterkrankung öffentlich gemacht und er kann sich glücklicher Weise nicht (mehr?) dafür schämen:

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Erste Eindrücke aus den USA

May 21, 2018

Ich hasse das Fliegen in grossen Flugzeugen, es ist wie ein Aufenthalt in einem Gefängnis. Alleine diese Sicherheitsproceduren nötigen mir jede Würde ab. Folglich geschieht das nur aus sehr wichtigen Gründen.

Ein bedeutender Teil meiner Familie lebt seit Jahr und Tag in den USA. Von Iowa über Washington, Baltimore bis Virginia hat die liebe Verwandtschaft an der Ostküste ihre Spuren hinterlassen. Trump spaltet die Gemüter, aber Keiner will wirklich auswandern wegen dieser für viele Amerikaner überraschenden Wahlentscheidung im letzten Jahr.

In Virginia hatte ich die Gelegenheit, die Prom der Schüler mit zu erleben. Hier putzten sich die jungen Leute aus der Mittel- und Oberstufe richtig fein heraus und feierten öffentlich  mit ihren Schulangehörigen und  mit den Verwandten den Höhepunkt des Schul-Terms vor den Abschlussprüfungen. Entscheidungen über Berufswege oder weitere Bildungswege sind zu treffen. Vom Aufwand ist das mit den hiesigen Abiturabschlussbällen in etwa vergleichbar. In der Nähe traten am Samstag die Wailers auf und ich kam mit vielen Jugendlichen über Bob Marley, die siebziger und achtziger Jahre im jugendlichen Popkulturbetrieb ins Gespräch. Bob Marley – in meiner Jugend haben wir die letzten Spargelder für ein Konzert locker gemacht –  ist hier nicht sehr bekannt unter den jungen Leuten und ich hatte das Ziel, über deren aktuelle Musikinteressen mehr zu erfahren. Meine Befassung mit Youtube als Plattform für Musikproduzenten auch in der Jugendkultur war hier hilfreich. Mir wurde Gelegenheit gegeben, einige Musiktitel aus old-europe beizusteuern und das wurde nicht als Risiko sondern als Bereicherung angesehen. Neben aktuellen Coversversionen kamen auch Originaltitel von HRVY, Malu Trevejo – Hasta Luego (Official video) + Personal, Roadtrip COVERS  und Bars&Medoldy Beliebte Videos  auf die Playlist. Mir wurde bedeutet: Die Leute wollen Tanzen, Spass haben und ihre vielfältigen kulturellen Hintergründe auch in ihrer Musik wieder neu erleben. Die Eltern von zwei Schülern stellten grosszügige, vollklimatisierte Veranstaltungsräume zur Verfügung – eine riesige Erleichterung bei diesen schwül-heissen und regenreichen Wetterverhältnissen im Süden der USA. Auch aus Europa kommen Bausteine für eine US-Musikkultur, die mit dem Begriff Multikulturell nicht im Ansatz hinreichend beschrieben ist. Später hat ein Junge aus einer  koreanischen Familie Popmusik aus Asien (K(orean)-Pop) – exemplarisch BTS mit wiki –  gemixt. Die Leute waren sowas “von den Socken” und nach kurzer Einschwingphase war der Pit nur noch am abzappeln, ein herrrliches Bild !

Aber nicht nur die Jugend ist durch Popmusik erreichbar. Ich sass abends beim TexMex-Abendessen in einer freundlich plaudernden Runde. Der Senior am Tisch suchte in seinem Smartphone nach der Künstlerin mit dem “Havanna-Unana-Refrain” und wir kamen auf Camilla Cabello’s Hit aus dem letzten Jahr zu sprechen. In diesem Zusammenhang hat nicht nur  die eingepflegte Trompete den Ausschlag für den älteren Herren gegeben, den Latin-Hit in seine Lieblingsmusik einzuordnen. Die beste Interpretation erschien uns Beiden ihr Auftritt bei Jimmy Fallon im Rockefeller Center in NYC im September 2017 zu sein. Mir persönlich wurde der Song durch ein Cover von Bars&Melody aus England erstmals bekannt gemacht. So sind die Wege im Zeitalter der sozialen Medien vielseitig, die Popmusik kommt auf unterschiedlichen Wegen zum Hörer. Ob als Cover oder Original ist eher abhängig von den genutzten Kanälen.

Zu RoadTrip gibt es noch folgende Hintergrundinformation. Blair Dreelan (Ex-Sänger von 2011 bis 2012 bei East17) produziert seit einigen Jahren RoadTrip und HRVY unter dem Dach von ALPHADOG MANAGEMENT LIMITED (Company #08237662) in Berkshire, England. Blair baut seine Künstler mit Fürsorge und Nachhaltigkeit auf. Er sorgt für das technische Equipment, Vertragsfragen und ein künstlerisch produktives Arbeits- und Wohnumfeld. Seit Herbst 2017 hat HRVY einige Hits in den britischen und US-Charts, aktuell erobert er Australien mit seiner Musik. Ab den 2013ern könnte er dem Einen oder Anderen auch bei Children-BBC begegnet sein. Dort haben auch Bars&Melody ab 2014 regelmässige Moderations- und Gesangsjobs übernommen und mir wird die dialektische CBBC-Diskussion in 2015 über Sinn oder Unsinn des täglichen Bettenmachens ewig im Gedächtnis bleiben. Wir können auch hier einem transmedialen Netzwerk bei der Popkulturarbeit wieder quasi über die Schulter schauen. Simon Cowell und Ed Sheeran sind seit 2010 immer wiederkehrende Figuren im globalen Popzirkus und deren Produkte gehen auch wieder eigene Wege.

Coverversions

April 28, 2018

Es gibt Lieder und Texte,die begleiten mich seit Jahrzehnten und ihre unterschiedlichen Interpretationen bewegen mich immer wieder. “S.O.S d’un terrien en détresse” von Luc Plamondon und Michel Berger ist so ein Lied. In deutsch bedeutet der Titel etwa “SOS von einem Erdbewohner in Not”.  Die Interpretation von Daniel Balavoine auf dem Album “Balavoine Balavoine ” war meine erste Begegnung mit dem Lied und seine Aussagen trafen in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren auch bei mir auf grosse Resonanz. Der Song hat bei mir die technischen Entwicklungen vom Tonband, Musikkassette, CD bis hin zum MP3-Format immer mit gemacht. Also einer meiner Evergreens.

Anfang 2006 hat mir die Version von Gregory Lemarchal aus der französischen Gemeinde La Tronche sehr gut gefallen. Jeder wusste um seine Lungenerkrankung und seine viel zu kurze künstlerische Karriere war eng mit seiner begrenzten zu erwartenden Lebenszeit verbunden. Der Song hatte eine sehr persönliche Aussage, weil er sich in seinem Körper sicherlich nicht richtig wohl fühlen konnte. Er starb am 30.4.2007 mit 23 Jahren an Mucoviszidose. Ein Tag, der sich am kommenden Montag zum elften Mal wiederholt und ich bin immer noch sehr traurig über den tragischen Lebenslauf dieses Menschen.

Ich empfinde es als mein persönliches Glück, dass ich mich seit einigen Monaten global mit dem Format der Talentshows befasse. Als ich im Januar 2018 “Bars&Melody” entdeckte, wusste ich nicht genau, wohin mich diese Reise führen wird. Ohne diese Fokussierung wäre ich gestern wahrscheinlich nicht rechtzeitig auf den Talentshowgewinner Dimash Kudaibergen aus Kasachstan gestossen. Dimash (*24. Mai 1994) hat mit seiner Interpretation von “S.O.S d’un terrien en détresse” das TV-Publikum 2017 in China und Frankreich erobert. Die virtuelle Würdigung dieser Perfomanz fassen für mich am besten die Brothers zusammen, Dimash haut die Beiden wirklich vom Stuhl – so ging es mir auch: DIMASH – A SOUL’S PLEA FOR HELP (REACTION) . Bemerkenwert ist auch: Egal von welchem Kontinent auf diese Interpretation reagiert wird, gemeinsam ist ein unglaubliches Erstaunen über den weiten Range von Dimashs Stimme. Er kommt global gut bei den Zuschauern an.

Seit gestern bin ich davon überzeugt, Dimache Kudaibergen ist wieder ein Coverinterpret für die kommenden Entwicklungen der Musikträgertechnik in der Zukunft. Das Video auf Youtube hat mich vom Stuhl durch das Dach in den Weltraum katapultiert – hier ist eine Referenz zu der intergalaktischen Opernsängerin im Blockbuster “The 5th Element” mit Bruce Willis angebracht.  Ich habe in meinem ganzen vergangenen Leben noch nie eine solche beeindruckende Stimme in der Popmusik gehört – und ich bin von Klassik bis Deathmetal in fast allen Genres zu Hause. Zum Vergleich fallen mir nur die Countertenöre ein. Es ist Unsinn zu behaupten, es gäbe keine ansprechende Weiterentwicklung in der Musikwelt und man müsse zwangsläufig am Alten festhalten. Altes – das Lied von Daniel Balavoine – und Neues bringen manchmal Ergebnisse, die mich in die Zukunft oder direkt in den Weltraum tragen können. Dimash ist so ein Fall. Ich bin dabei, den Echo2018 wegen musikalischer Belanglosigkeit zu vergessen.

 

 

Echo & die Häschen Männer *

April 23, 2018

Welche Bedeutung hat eigentlich für dich Rapmusic ? Diese kollegiale Frage verursachte diesen Text.
In den frühen 80igern habe ich die Rocksteady Crew in einer Turnhalle in New York City bei ihren Übungen gesehen,im Central Park waren Electric Boogie und Streetdance Performer auch immer unterwegs. Aus Heidelberg kam mit Advanced Chemistry die Frage nach Integration, Identität und Achtung für Migranten endlich auch auf die Tagesordnung – Moses P,ich weiss wo dein Haus wohnt!
Diese Begeisterung an Bewegung zu HipHop Musik habe ich in der Nachwendezeit wieder bei den “Flying Steps” am Breitscheidtplatz und später in der “Berliner Hip Hop Fraktion” in Kreuzberg bemerkt. Ich bin mit Grandmaster Flash, A Tribe Called Quest und den Beasty Boys fast erwachsen geworden.
In Berlin haben mich Justus Jonas, Boba Fettt  und Der Staiger am Ball gehalten, 1000 Debatten über Frauenfeindlichkeit und Homophobie im Westberliner Battlerap führten zu Null neuen Ergebnissen.

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„Bomben bis der Arzt kommt“ Bombing by CBS right next to Gesundbrunnen Station

Quelle: STREETART BERLIN  Bombing by kripoe (1995-2005)

Nun gab es auch andere Erfordernisse als Moves, Bars und Vibes: Es ging um die Verschönerung von Freiflächen an Brücken und Autobahnabfahrten und die Bekämpfung von Nazitags im Wohnumfeld. Es waren verdammt gute Sprayer unter diesen Battlerappern und unter der Gasmaske musste man nicht viel reden sondern gute Bilder und Bombings fabrizieren. Ohne diese Leute wäre ich nicht an Hakan&Illusion aus München geraten, die Beiden haben mir bessere Beatz und Texte in die Hauptstadt geschickt und meine Errungenschaften des neuen Jahrtausends waren die Plattform HipHop-Partisan und vor allen Dingen NMZS – dieser Rapper hat Flügel – und Koljah aus Düsseldorf, die mich am Rap in Deutschland eben nicht verzweifeln liessen sondern wieder Hoffnung gaben.
Mein Problem waren nie die Fantastischen Vier. Sie sind nicht mein Fall, aber sie richten kaum Schaden an. Die geistigen Brandstifter für Antisemitismus, Judenhass, Schwulenhass und Frauenfeindlichkeit in der Jugendkultur sind nicht nur die Gangsterapper. Um die Mitte herum treffen sich Antiimperialismen jeglicher Couleur: Hier wachsen Verschwörungsideen von einer angeblichen zionistischen Weltordnung mit den Populisten von AfD und CSU zusammen. Und selbst eine friedensbewegte Grüne kann sich in der Israelkritik mit dem Erdoganwähler aus dem nachbarschaftlichen Gemüseladen in ihren Weltverbesserungsidealismen messen.
Nun hat auch Daniel Barenboim – ein Musiker und Dirigent,den ich hier in Berlin sehr schätze – die Echos für seine Projekte (West-Eastern Divan Orchestra) zurück gegeben. Und ich sehe mich genötigt, den Rap auch als Kunstform in unseren Breiten gegen seine ärgsten Ausbeuter und Feinde zu verteidigen. Die Bushidos und Kollegahs, die mit schlechten Bars und ohne jegliche Stimme nur Abwertung, Opfermythen in Tüten und NWO-Ideologie;  letztendlich ein “Brother against Brother- Konzept” in die Köpfe unserer Kids legen. Das hat mit Hip Hop – Kultur und mit Musik weniger zu tun. Es ist eher das Ausbleiben eines europäischen Glücksversprechens auf ein wirklich besseres Leben, das ohne Störenfriede (Flüchtlinge, Juden, etc..) nicht auskommen mag. Hier bewegen sich Kollega und Konsorten wie ein Elefant in einem Porzellanladen, aus dem das Porzellan und die schönen Regale schon längst heraus getragen wurden.

Im Januar war ich im Columbia-Theater und konnte ein neues Musikformat in der Generation-Zero – Rap und Gesang – Bars and Melody aus England erleben. Mir ist es tausendmal lieber,wenn sich junge Leute ermutigende Musik gegen Mobbing und für die Erfüllung ihrer Liebeswünsche ‘reinziehen als diesen Auswurf an Hass. Dieser aktuell in Rede stehende “Gangsterrap” im teutonisch-migrantischen Gewand ist ohne Frage kommerziell erfolgreich und der Leumund des Echos ist mir ehrlich gesagt gleichgültig. Wenn die Musikindustrie in Deutschland der Auffassung ist, sich exponiert Antisemiten anzubiedern, ist das ein treffliches Aushängeschild des hiesigen kommerziell potenten Kulturverständis.

Aber Hass führt in die Irre, ist psychisch destruktiv und vermittelt Werte,die für eine tragfähige Zukunft in einer sonst eher kalten Welt nicht hilfreich sein können. Und von einer Idee vom persönlichen Glück ist man damit auch Lichtjahre entfernt. Vor allen Dingen: Damit gewinnt kein Mensch Liebe oder Freunde !

*Headline reference

UPDATE 25.4.2018: Der Echo schafft sich selber ab. Er hat Schaden genommen und verantwortlich dafür sind nicht etwa die Jury 2018, die zurückgegebenen Echos oder Campino.

… Auch steht für den Vorstand außer Frage, dass Deutschland als drittgrößter Musikmarkt der Welt zur genre- und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern weiterhin Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter braucht. Man wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird.

Dieser “Leuchtturm” Echo hat also nicht etwa Schaden genommen,weil die Industrievertreter lupenreinen Antisemiten eine Plattform geboten haben,sondern weil dieser Antisemitismus und die anderen Ekelhaftigkeiten auch so von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Also, wenn ihr mich fragen würdet,ob der angedrohte Nachfolgepreis weniger ekelhafte Überraschungen bereit halten wird, müsste ich nach dieser Presseerklärung mit NEIN antworten. Zur Meinungsfreiheit gehört,das Kollega und Konsorten ihre dubiose Musik produzieren und verkaufen können. Inhaltlich muss man diese Ideen aber fronten und kritisieren und deren Epigonen zumindest mit der notwendigen Aufklärung belästigen, welche Ideologien sie dadurch teilen.

Jan Wiele von der FAZ ist da etwas gnädiger:

… Die „gesellschaftlich notwendige Debatte über Kunstfreiheit und ihre Grenzen“, die der Musikverband nun bei einem Workshop zur Neugestaltung des Preises im Juni „mitgestalten will“, ist eben das: gesellschaftlich notwendig, das heißt, sie muss nicht nur angesichts eines zweifelhaften Trashfernseh-Events geführt werden, sondern dauerhaft mit und unter allen, die mit den betreffenden „Kunstprodukten“ zu tun haben, besonders in der Jugendkultur. …

Ich bin jedenfalls gespannt,wer aus der Schreiber- und Denkerzunft sich für so eine durchsichtige Debatte ab Juni 2018 hergeben wird? Für Vorschläge wäre ich schon heute dankbar.