Auf Wählerfang quatscht jeder mit jedem
Politische Interviewpraxis im Wahlkampf 2009.
Adelt nun die Neue Rechte (Junge Freiheit) die Piratenpartei oder umgekehrt?
„Es geht um Zensur“, Moritz Schwarz interwiewt Andreas Popp, stellvertretender Bundesvorsitzender der Piratenpartei. Nanuk,ein Piratenblogger, fasst den Fall in “Mit Schmuddelkindern spielt man nicht“ aus einer Innenansicht zusammen – F.J. Degenhardt meinte damals natürlich nicht die Neue Rechte, aber so gehen Idiome eben über die Zeit spazieren.
Daniel Steinmaier führte einen Smalltalk mit der Piratenpressestelle . Im öffentlichen Piratenforum wird über political correctness lamentiert, hier treiben Geschichtsrevisionisten und Anti-Gutmenschen die Meute vor sich her: PC ist faschistisch und Neger wird man doch wohl wieder sagen können. Das Internet als therapeutische Instanz leidgeprüfter Ideologen. Ein Schelm, wer übles dabei denkt.
Auffällig bleibt,die Piraten lassen sich vom rechten Rand die Stichworte bezüglich Meinungsfreiheit diktieren,sie springen immer wieder über das selbe ideologische Stöckchen und scheinen kein Bewusstsein darübe entwickeln zu können. Bodo Thiesen bleibt also kein Einzelfall. Und dies ist nicht trotz des Wahlkampfes der Fall.
Das Geheimnis dieser umfassenden politischen Offenheit liegt wohl in einem naiven Trick,der Ausrufung des postideologischen Zeitalters für die Piraten. Es mag angehen,dass viele Piraten sich im klassischen Parteiensystem – inklusive der Splitterparteien – mit ihrer Thematik nicht vertreten sehen. Die Fokusierung auf Internetangelegenheiten, den freien Zugang auf das/den virtuelle Informationsarchiv/ – austausch und Patentrechte kommen ohne altbekannte Ideologisierungen aus, denn es geht um eine Absicherung bedrohter, gesellschaftlicher Grundrechte.
Ein Geschmäckle hinterlässt allerdimgs der Umgang mit rechtsextremen Positionen und deren Protagonisten in der Publizistik – hier ordne ich die JF ein. Wahlkampftaktisch mag das Interview von Andreas Popp einen verständlichen Versuch zur Wählergewinnung darstellen,was ich in der Sache nicht kritisieren möchte. Dumm ist es aber,wenn Parteivorstände nicht wissen, wem sie Interviews geben. Eine virtuelle Verewigung auf der Autorenliste der JF bleibt ein Makel, nebenbei wird der JF in ihrem perfiden Anerkennungsbestreben als vielfältiges Meinungsblatt im bundesdeutschen Blätterwald ein Gratisdienst erwiesen. Wer für sich eine Ideologiefreiheit postuliert,bewegt sich eben nicht im ideologiefreien Raum. Diesen Unterschied sollten die Piratenvorstände endlich Ernst nehmen. Das hat mit Meinungsfreiheit noch garnichts zu tun, es ist eher Teil einer politischen Ethik, die ich bei den Piraten vermisse.






