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Nu iss November

2009 November 1
by philolog

Das letzte herbstverweigernde Eis von Eishennig nahm ich Montag zu mir. Die obligate Kürbisspeise wurde, ohne weiteren Schaden genommen zu haben, vertilgt. Auch der Grünkohl machte es sich schon gemütlich im Magen. Der Schal gehört eine ganze Weile zum Bekleidungsstandard – die dicken Jacken bleiben aber noch trotzig im Schrank hängen.

Die Kids werden immer komischer,bin gestern auf meinem halben Candy-Haufen sitzen geblieben.Sammeln die jetzt nur noch Möhren, oder was? Naja, wird schon weggehen,das Zeugs.
Interessant ist ja auch,dass in der Halloweennacht Erwachsene ihr Kitadefizit in lächerlichen Outfits und schlechtest möglicher Camouflage nachholen. Wenn dann noch die Retardierung durch Alkohol oder andere Substanzen zur Spassbefreiung hinzukommen,wird das Bild gänzlich schräg.Abgetakelte Schicksen und phantasielose Vampire torkeln über die  Trottoirs Berlins. Ich habe mir ja Zivilisation immer schon anders vorgestellt. Nachts bleibt man zu diesen Tagen wohl besser am heimeligen Öfchen. Aber egal,werde ich halt diesbezüglich zur individualisierten Monade.

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Bei Max Goldt ging es zum Abend ganz vertraut zur Vorleserei – nach 18 Jahren hat er sich ins frisch von Didi Hallervorden eröffnete Schlossparktheater nach Steglitz einladen lassen. Im Vordergrund stand die Vorstellung seines neuen Zimbo-Buches,aber auch ältere, unveröffentlichte Texte und Miniaturen kamen zum Vortrag. Nach 22 Jahren Liveabstinenz war es ein angenehmes Erlebnis,diesen Autor gereift zu erleben. Die Jahre bleiben ja schliesslich kaum einem Menschen nur in den Kleidern hängen. Ein pfleglicher Umgang mit dem Selbst und nicht der Verzweifelung anheim zu fallen kommen eben auch den Faninteressen entgegen.
Seine Texte bleiben zeitlose Dokumente des manchmal paradoxen Situationsspieles, manchmal den Selbstverständlichkkieten des Alltags trotzende Gedankenaussichtstürme.
Überzeichnete Schenkelklopfer wurden keine vorgetragen,das blieb der guten alten Zeit vorenthalten. Nach Schluss der Vorlesung stellte sich der Autor den Zuhörern zur Autogrammstunde. Möge sich das neue und gut gebundene Buch auf vielerlei Wegen den Zugang zu möglichst vielen Lesern verschaffen. Mir bleibt das alte Werk aus den achtziger Jahren das Liebste – nebst der Vortragungserinnerungen an den Autor. Man hängt ja an seinen Entdeckungen wie ein Archäologe an seinen spektakulären Funden.

Herbstliches

2009 October 18
by philolog

Der Oktober geht in seine zweite Hälfte,gülden ist er hier in der Frontstadt nicht im Übergewicht ausgefallen,eher nass kalt und für Raucher eine wahre Verurteilung zur Schweinegrippe. Diese Vegetiererei vor Gebäuden ist unwürdig. Trotzdem versüsse ich Glaxo nicht die Bilanz oder gar die Propandenstatistik. Eine angemessene Bekleidung,ganz im Sinne Sarazins,tut es dann auch. Gibt es eigentlich Handschuhe für Selbstdreher?
13-06-08_0957 Die letzten beiden Jahre standen ja bei mir reisetechnisch unter dem Stern Zyperns. Die Vereinigung der beiden Inselteile schien letztes Frühjahr zum greifen nah,nebenbei konnte ich noch persönliche Angelegenheiten dort regeln. In diesem Jahr hat sich fast die gesamte Redaktion der linken Wochenzeitung jungle-world (die ehemals bessere Hälfte der FDJ-Postille  Junge-Welt) auf dieser Insel eingefunden und eine ganze Zypernausgabe von dort aus produziert. Diese Würdigung der mir insgesamt am angenehmsten erscheindenden Insel im Mittelmeer erfreut mich sehr. Inhaltlich bietet die Zeitung einen aktuellen Überblick der politischen und gesellschaftlichen Lage dieses wohlhabenden Eilandes, ein illustrer Haufen wurde von den Journalisten besucht,interviewt und die informationelle Ausbeute ist ansehnlich..

Das Witz-Wort des Jahres 2009 scheint mir der Querfrontbegriff zu werden. Hier werden ja soviele Inhalte in einen unpassenden Topf geworfen,im günstigsten Fall wird Volksfront mit Querfront verwechselt. In der Masse scheint es aber um die reine Desavouierung von missliebigen Individuen des politisch-publizistischen Raums zu gehen – die mittelalterliche Hexenjagd ist wieder gross im Kommen. Und wenn ich so beschaue,was für Typen meinen,sich als “Experten ” aus der Linken heraus dazu äussern zu müssen,ist die Betrauerung des intellektuellen Niveaus noch meine mindeste Diagnose. Vor ein paar Jahren meinte ein Kollege aus dem APABIZ,der Begriff würde inflationär verwendet,am Schluss weiss niemand mehr,woher der historische Begriff rührt und was er beschreibt. Er sollte leider Recht damit behalten. Kein Wunder ist,dass heutzutage Menschen sogar aus einem Versehen heraus konservativ werden.

Lustig hingegen empfinde ich den Begriff des Nazi-Hartzlers,der aber noch inhaltlich zu füllen wäre. Bis heute teufelt leider nur eine quasi libertäre Figur “Freiheitsverherrlicher” durch diverse fragwürdige, meist rechtsextreme Internetplattformen. Mal sehen,wo das so enden wird.
Zur Wahl habe ich soweit alles gesagt,ich bin ein Freund des Lagerwahlkampfes,wenn die Veranstaltung sich wieder dahin bewegen sollte,gebe ich mir auch wieder mehr Mühe. Solange der “Neue Mitte Quark” gerührt wird,bin ich relativ desinteressiert. Bei meiner Bank interessiert mich auch weniger,wie die Funktionen dort so besetzt werden, solange meine Kröten dort fachlich gut betreut werden.

Der November naht und ich bin gespannt,welche Banden sich dieses Jahr wieder am Gedenkmarsch zum 09.11. in Moabit einfinden werden. Auf dem Rücken der deportierten und ermordeten Juden kühlen sich ja so einige fragwürdige Grüppchen ihr Mütchen. Für alle,die es noch nicht wissen sollten: Israel ist der einzige Zufluchtsort,wer diese Nationalfahne als Provo empfindet,sollte lieber bei anderen Kameraden Anschluss suchen.

Die Wahl ist gelaufen

2009 October 4
tags:
by philolog

Die neuesten Propagandavideos der Islamisten haben zu einem weiteren Sicherheitsring um das Oktoberfest oder die Fanmeilen zum Tag der Einheit geführt. In den 70igern habe ich ja auch öfters in Gewehrläufe schauen dürfen,damals waren die Sicheitskräfte auf der Suche nach RAF-Leuten. Heute werden schlechte Videoschauspieler aus dem Internet gesucht. Anstatt auf die Bevölkerung flächendeckend Knarren zu richten,könnten die Islamextremisten gezielter identifiziert und ausgeschaltet werden. Liebe Sicherheitsorgane,probiert es doch mal an den Treffpunkten von DITIB,Mili Görüs,Hamas,Hizbollah oder den saudischen und iranischen Botschaften oder Konsulaten. Da werdet ihr bestimmt fündig.
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Die Wähler hatten genug von 11 Jahren SPD Regierungsbeteiligung,jetzt sollen es Schwarz-Gelb (Neudeutsch Tigerentenclub) probieren. Ein ganz normaler Vorgang in einer Demokratie. Ein phantasieloser Abklatsch der” Birne-Kampagne” gegen Kohl aus den 80ern scheint das verweigerte BBC-Interview des FDP-Steuermanns zu werden, der Aussenminister in spe sei der englischen Sprache nicht mächtig und ein Schaden für Deutschland sei vorprogrammiert. Das antiliberale Ressentiment bricht sich bis hin zu Denunziationphantasien bei der Familie Saud seine Bahn: Im Schariahland weiss man “richtig” mit Homos umzugehen, pseudolinke Ressentiments verbünden sich folgerichtig mit exterminatorischer Homophobie,widerlich.

Jetzt verhandeln also Guido und Angie über das Regierungsprogramm der nächsten Jahre und der Ton ist schon vor Verhandlungsbeginn rau und wenig auf liberale Grundforderungen ausgerichtet, CSU und FDP streiten sich schon jetzt um die zu verteilenden 6 Ministerien. Neoliberalismus fällt öfters als Kritik aus der Union heraus in die Öffentlichkeit. Bis heute ist nur Westerwelle als Aussenminister sicher gesetzt.
Schnarre,Solms,Brüderle,etc. sitzen schon in den Startlöchern,mal sehen,wen die Partei dann schliesslich ins Rennen schicken möchte, die FDP hat sich in den letzten Jahren vom Personal her in der Breite verjüngt und sogar libertäre Positionen finden sich im Bundestag wieder. Frau Koch-Merin ist mit ihren antipolnischen- und antitschechischen Ausfällen wegen des EU-Vertrages wenig schicklich aufgefallen.Kein liberales Aushängeschild,beim besten Willen nicht.

Die SPD ist mit ihrem Kurs der Mitte folgerichtig gescheitert – eine weichgespülte CDU braucht niemand in diesem Land. Sie lässt sich noch von der SED treiben,die viele enttäuschte Sozialdemokraten aufgesammelt hat. So kommt das parlamentarische Koordinatensystem wahrscheinlich wieder zu seiner tradiotionellen Lageraufteilung. Das mit dem Ende der Geschichte der Arbeiterbewegung war wohl selbstredend ein ideologischer Fehlschlag der Schröderschen Sozialdemokratie. Es bleibt spannend anzusehen,wie es ihnen gelingen wird, Vertrauen beim Wähler zurück zu gewinnen und gleichzeitig den Machtanspruch der SED abzuwehren. Eine Koalition im Bund wäre der kostspielige Lebendversuch,vielleicht gelingt den Sozis der Job aber schon in der gemeinsamen Opposition. Ich sage die SPD also nicht tot,als Klientelpartei hätte sie eine Chance – wie die FDP mit ihren Schwerpunktsetzungen eben auch ein bestimmtes Klientel vornehmlich bedient und dafür gewählt wird. Transferleistungsempfänger fürchten sich ja nicht zu Unrecht vor Einschnitten,wenn die Liberalen immer nur von förderungswürdigen Leistungsträgern der Gesellschaft reden. Ob das in einer 2/3-Gesellschaft münden muss,weiss ich allerdings nicht. Sicher scheint aber,dass mit der hohen Arbeitslosigkeit und der Alterspyramide Probleme in der Welt stehen,die gelöst werden müssen.Ein Niedriglohnsektor ohne HartzIV wäre aber besser am Markt orientiert, ein Bürgergeld könnte die sozialen Härten abfedern und man wäre endlich weg vom Bedürftigkeitsprinzip,das menschenunwürdige Züge in sich trägt. Die Angst vor sozialem Abstieg könnte so gemindert werden. Dass der Staat nicht in der Lage oder Willens ist,für alle Bürger ein erklägliches Einkommen zu ermöglichen,bleibt jedoch eine Binsenweissheit. Es herrscht eben Kapitalismus,Baby.

Die Piratenpartei hat sich bundesweit bei 2% der Stimmen wiedergefunden. Ein Achtungserfolg,der die Piraten zum Weitermachen befähigt. Das mit dem postideologischen Zeitalter (“wir sind nach allen Seiten offen”) wird den Freibeutern spätestens dann vergehen,wenn sich die halbe JN bei ihnen versammelt hat. Das schaue ich mir dann aber doch lieber aus der Ferne an,weil in dieser Partei bis heute keinerlei ideologiekritisches Potenzial ausmachbar ist. Schade eigentlich,die Kernforderungen halte ich weiterhin für unterstützenswert. Ob der Laden zukünftig  in der Bedeutungslosigkeit dissoziiert, sich neu aufstellt oder bei den etablierten Parteien Anschluss finden wird?

Wahlentscheidungserleichterung

2009 September 25
by philolog

Für potenzielle Nichtwähler sind ja immer auch die Vereine unter 5% interessant. Wenn der Weltgeist dreimal klingelt, sind die Piraten nach allen Seiten offen – das wird dann selbstredend postideologisch benannt. Auch Rechtsextreme tummeln sich in der Piratenpartei weiss Elke Wittich zu berichten – noch deutlicher wird sie in ihren Einschätzungen zur Piratenpartei hier. Volksfrontler Jürgen Elsässer bläst zum grossen Halali: Seid ihr Memmen oder Piraten? Er eilt den Piraten auf der letzten Wahlkampfstrecke noch zur Hilfe. Die von den Piraten voereilig ausgerufenen postideologischen Zeiten müssen dann wohl wieder den Rückzug antreten, wie hier nachlesbar ist.

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Ironiemodus aus:  Es gibt einen neuen Nazi-Zombiefilm,Infos.

Die Unterstützerliste der Piraten wächst täglich an,nun hat sich auch die ex-MEP Grüne Angelika Beer (unter Rot-Grün 98-05  verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag) geäussert.

Auf Wählerfang quatscht jeder mit jedem

2009 September 17
by philolog

Politische Interviewpraxis im Wahlkampf 2009.

Adelt nun die Neue Rechte (Junge Freiheit) die Piratenpartei oder umgekehrt?
Es geht um Zensur“, Moritz Schwarz interwiewt Andreas Popp, stellvertretender Bundesvorsitzender der Piratenpartei.  Nanuk,ein Piratenblogger, fasst den Fall in “Mit Schmuddelkindern spielt man nicht“  aus einer  Innenansicht zusammen – F.J. Degenhardt meinte damals natürlich nicht die Neue Rechte, aber so gehen Idiome eben über die Zeit spazieren.

Daniel Steinmaier führte einen Smalltalk mit der Piratenpressestelle . Im öffentlichen Piratenforum wird über political correctness lamentiert, hier treiben Geschichtsrevisionisten und Anti-Gutmenschen die Meute vor sich her:  PC ist faschistisch und Neger wird man doch wohl wieder sagen können. Das Internet als therapeutische Instanz leidgeprüfter Ideologen. Ein Schelm, wer übles dabei denkt.

Auffällig bleibt,die Piraten lassen sich vom rechten Rand die Stichworte bezüglich Meinungsfreiheit diktieren,sie springen immer wieder über das selbe ideologische  Stöckchen und scheinen kein Bewusstsein darübe entwickeln zu können. Bodo Thiesen bleibt also kein Einzelfall. Und dies ist nicht trotz des Wahlkampfes der Fall.

Das Geheimnis dieser umfassenden politischen Offenheit liegt wohl in einem naiven Trick,der Ausrufung des postideologischen Zeitalters für die Piraten. Es mag angehen,dass viele Piraten sich im klassischen Parteiensystem – inklusive der Splitterparteien – mit ihrer Thematik nicht vertreten sehen. Die Fokusierung auf Internetangelegenheiten, den freien Zugang auf das/den virtuelle Informationsarchiv/ – austausch und Patentrechte kommen ohne altbekannte Ideologisierungen aus, denn es geht um eine Absicherung bedrohter, gesellschaftlicher Grundrechte.

Ein Geschmäckle hinterlässt allerdimgs der Umgang mit rechtsextremen Positionen und deren Protagonisten in der Publizistik – hier ordne ich die JF ein. Wahlkampftaktisch mag das Interview von Andreas Popp einen verständlichen  Versuch zur Wählergewinnung darstellen,was ich in der Sache  nicht kritisieren möchte. Dumm ist es aber,wenn Parteivorstände nicht wissen, wem sie Interviews geben. Eine virtuelle Verewigung auf der Autorenliste der JF bleibt ein Makel, nebenbei wird der JF in ihrem perfiden Anerkennungsbestreben als vielfältiges Meinungsblatt im bundesdeutschen Blätterwald ein Gratisdienst erwiesen. Wer für sich eine Ideologiefreiheit postuliert,bewegt sich eben nicht im ideologiefreien Raum. Diesen Unterschied sollten die Piratenvorstände endlich Ernst nehmen. Das hat mit Meinungsfreiheit noch  garnichts zu tun, es ist eher Teil einer politischen Ethik, die ich bei den Piraten vermisse.

PS: ShortNews Exklusiv-Interview mit Jens Seipenbusch

Zuppi begrüsst …

2009 September 15
by philolog

hiermit ausdrücklich die Kollegen von der Neuöllner Botschaft, deren Blog seit Mai 2009 wieder aktiv ist und ich habe es heute erst-  aber immerhin -  bemerkt – ich dachte,es sei zu Ende. So habe ich mich glücklicher Weise getäuscht. Weiter gehts ;)

weekend pics

2009 September 13
by philolog

War ja einges los in der Frontstadt: FSA, Al-Quds-Meute samt Widerspruch. Ein paar Fundstücke

No Al-Quds Kundgebung

Ende der Al-Quds-Demo

Ende der Al-Quds-Demo Kurfürstendamm

Fundstück am Ernst-Reuter-Platz

Plakat vor TU-Berlin gesichtet

Jerusalem Tag in Berlin

2009 September 8
by philolog

1979 erinnere ich noch die Jubelschreie meines linken, antiimperialistischen Umfeldes: “Der Schah ist entmachtet, jetzt wird Revo gemacht,mit den Islamisten werden wir schon fertig.”  Es wurde Revo gemacht,die Islamisten sind mit den Sozen ganz schnell fertig geworden,einige Elendsgestalten jener Zeit können bis zum heutigen Tag im Exil auch hier und heute noch befragt werden.Sie haben meist nichts kapiert, sie schmieden immer noch Bündnisse mit Leuten,die ihnen bei nächster Gelegenheit das Messer in den Rücken rammen werden. Der Zweck heiligt die Mittel, Bündnisse werden auf Zeit geschlossen. So geht politisches Gesindel miteinander und der Bevölkerung (seinem Material) um. Da nehmen sich Sozialisten und Islamisten nicht die Butter vom Brot, man hat voneinander gelernt. Geschichtsmüll der 60/70er Jahre, erfolgreich vorgeführt bis heute vom Mullahregime im Iran.

Jerusalem wird von Christen-,Judentum und den Muslimen religiös-mythologisch aufgeladen. Aktuell teilen sich die drei Weltreligionen den historischen Ort zur Ausübung kirchlicher  Lithurgien. Das Staatsgebiet ist Israel.

Am Samstag,den 12.09.2009, marschiert am Nachmittag schon wieder der Hizbollahfanclub der iranischen Mullahs  zum “Jerusalemtag” durch Berlin-Charlottenburg.

Hierbei geht es aber nicht um ein religiöses Fest,sondern um iranische Machtinteressen im mittleren Osten unter dem Deckmantel schiitischer Religionsausübung.

Letztes Jahr wurde auf der Al-Quds Demo für ein Recht auf Antizionsimus die Werbetrommel gerührt. Ein ideologischer Kampagnenversuch, um an das bestehende antiisraelische Ressentiment in der dt. Bevölkerung anzuküpfen – rund 2/3 der Deutschen halten Israel immerhin für die Hauptgefahr an ihrer Herzensangelgenheit, dem sog.  Weltfrieden. Da möchten die Islamisten gerne anknüpfen.

Auf dem Kurfürstendamm marschierten seit Juni 2009 auch öfters die Unterstützer der iranischen Opposition,an diesem Wochenende werden aber die ideologischen Parteigänger des iranischen Mullahregimes ihr Recht auf die Annektierung Jerusalems mit Hilfe des demokratischen Demonstrationsrechts  einfordern. Antisemiten dürfen per Meinungsfreiheit durch Berlin  marschieren,wollen aber nicht so benannt werden.

Mit dem Al-Quds Tag unterstreicht das Mullahregime seit Ayatollah Khomeini Machtübernahme 1979 seine Nichtanerkennung Israels und die Forderung nach der Tilgung Israels von der Weltkarte – nebenbei wird auch den Christen Jerusalem als heilige Stätte aberkannt,aber die beanspruchen  ja an diesem Ort in Israel keinen eigenen Staat.

Allen denjenigen,die auf eine diplomatische Anerkennung Israels durch Hizbollah,Hamas und letztlich des iranischen Regimes setzen,werden durch die konstituierende Israelverneinung am Beispiel des Al-Quds Tages endlich die Realitäten anerkennen müssen: Mit der iranischen Theokratie wird es keinen Frieden im mittleren Osten geben,das iranische Regime ist auch nicht Teil einer Verhandlungslösung des sog. Nahostkonflikts, sondern Teil der permanenten Kriegserklärung gegen Israel.

Wer bis heute immer noch nicht begriffen hat,dass die einzige wirkliche Opposition gegen das Mullahregime in der Solidarität mit dem israelischen Staat besteht,hat die Funktion des Antisemitismus oder neuerdings Antizionismus nicht begriffen,denn der ist das ideologische Schmiermittel, das Linke, Rechte und Islamisten miteinander vereint. Ziel ist eine Polarisierung in Moderne und Antimoderne, Kalifat gegen Demokratie, sich verheizen lassen für die Wiederkehr des Mahdi gegen das einstmalige individuelle Glücksversprechen der bürgerlichen Demokratie.

In der Feindschaft zur westlichen Demokratie und Israel begegnen sich Steinzeitislamisten und Nationalsozialisten rechter wie linker Ausrichtung. Aber auch die hiesigen Protestverwalter der iranischen Opposition bekommen die Distanzierung vom antizionistischen Credo der islamischen Republik kaum hin.

Für mich war das der Punkt, an dem ich mich von der Unterstützung der Proteste abgewendet habe,sie pflegen zuviele antimoderne Gemeinsamkeiten mit ihren kritisierten islamistischen Führern in Ghom und Teheran. Auf einer meiner letzten Protestteilnahmen intonierte die Menge unter der S-Bahnbrücke am Zoo die sozialistische Parole “Hoch die internationale Solidarität!”, ein böses Omen für die Ideologien,die mir später von den Protestverwaltern zugemutet wurden. Ob die sozialistische Scheisshausparole auf dem Mist des vorhergehenden  Kundgebungsbeitrages von Ulla Jelpke (SED) gewachsen ist, kann möglich sein – immerhin hat diese Frau in den Juniprotesten im Iran das Hauptproblem in einem drohenden Militärschlag der USA (unter Obama) auf den Iran ausgemacht. Der krude Umgang des Regimes mit den Protestlern im Iran verkommt da geradezu zum Nebenwiderspruch. Jürgen Elsässer drückt mit seiner Ahmadinedjad-Soli nur das aus,was die Antiimps eh als Einheitsbrei geschluckt haben: Wo gehobelt wird,da fallen eben auch Spähne.Man ist bereit, fast jeden Preis zu zahlen.

Das ist  eine ideologische Brut, die eher zu bekämpfen als zu unterstützen wäre. Ein Streit unter Antizionisten bleibt das, was er ist,antizionistisch und damit eine Gefahr für Israel und die restliche moderne Zivilisation.

Da gibt es garnichts unterstützendwertes. Zumal kaum bis hierher durchdringt,worin die Gegnerschaft zum Mullahregime eigentlich genau besteht. Ist die Opposition vor Ort im Iran eigentlich eine solide Kraft? Bis hierher raunt sich immer nur eine nibulöse Zivilgesellschaft durch den Filter hiesiger Protestverwalter. Oder noch schlimmer: Märtyrergesummse bis zum erbrechen.

“Allah Hu Aqubar”- Rufe  Oppositioneller irritieren mich da eher, als ob der islamistischen Revolte von 1979 etwas positives abzugewinnen wäre. Eher das Gegenteil ist der Fall: Dem Scharegime folgte islamistischer Tugendterror bis in die kleinste Hütte und die Hochrüstung zu einer Atommacht steht kurz bevor: Irre Islamisten mit der Hand am roten Knopf,das braucht die Welt sowas von garnicht.

Unterhalb der Forderung nach individueller Freiheit und Demokratie bin ich nicht zu haben,mit Antisemiten gibt es keine Gemeinsamkeiten,weder in Berlin noch in Isfahan.

Am Samstag wird dieser iranisch-islamistische  Aufmarsch nicht ohne öffentliche Gegenposition durch die westliche Berliner City laufen. Am Kurfürstendamm ist eine Gegenkundgebung angemeldet.

Samstag, 12. September 2009
Zeit:  14:00 – 16:00
Ort:  Berlin, Knesebeckstr. / Ecke Kurfürstendamm (Nähe U-Bahnstation Uhlandstrasse)

PS: Demobericht 2009 von dissi, Juden sind in Berlin nun auch polizeilich unerwünscht: Berliner Polizisten verbieten Hebräisch.

PPS: Al-Quds Demo 2008

PPPS: Hintergründe zum Al-Quds Tag in Berlin gibt es bei dissi,das Trauerspiel sog. linker Iransoli kann bei T. Kunstreich nachgelesen werden.

Zug fahren

2009 September 4
by philolog

Ja,es ist bekannt,ich reise nicht so gerne.Diesen Sommer war ich öfters mit dem Zug unterwegs und zu meiner Überraschung funktionierten alle Verbindungen nahezu pünktlich.Danke,liebe Mitarbeiter der DB.

Nun ergaben sich allerdings Bahnhofssoziologien,die ich nicht verschweigen möchte.

Um in die Hauptstadt zurück zu gelangen,muss ich in Kassel-Wilhelmshöhe umsteigen. Auf meiner letzten Zugfahrt fiel mir folgendes Bahnsteigbild in der nordhessischen Metropole  auf:  Der Zug nach Hamburg war etwa 10 Minuten vor  meinen Dampfross eingefahren. In den hanseatischen Zug stieg ein illustres Völkchen ein. Sommerliche Anzugträger,das kurze Schwarze und Weisse,Coco Chanels Kombination und jugendlicher Sportdress waren mehrheitlich verteten,bei der Jugend überwog der Nerdlook. Der Zug fährt ab und ich wartete noch 10 Minuten auf den Zug aus Karlsruhe,der mich Nachts nach Hause bringen soll. Am Bahnsteig wartet Publikum von 8 bis 80,alle sehen aus,als seien sie auf dem Weg ins Pfadfindercamp: Wanderhosen, Outdoorlook mit Rucksack oder vereinzelt auch ein Trolly. Ich bin der einzige Mensch im Anzug.

Beim betreten des Grossraumabteils tut sich eine weitere Besonderheit auf: Überall leuchten Laptops  – die verschwinden übrigens fast alle in Göttingen – ein geschäftiges Tippen und Surfen wabert bis Gö durch das Abteil. Ich höre auf meinem MP3-Player Daliah Lavi, Clueso und lese den Löwith durch. Vom Hauptbahnhof bringt mich die Droschke schnell nach Hause. In Hessen habe ich noch überraschend Beute gemacht: Meine Schwester hat mir  ein Fläschchen Possmann Apfelwein in die Tasche gepackt,das kühle Stöffchen  ist nun auch leer. Ein angenehmes Wochenende allerseits ;)

PS: Andere Blogger fahren auch mit der  Bahn,Gideon gibt einige Eindrücke  in  Noch mehr Beobachtungen aus dem ICE und Fleisch von seinem Fleisch? weiter.

rauchzeichen

2009 September 3
by philolog

ich lebe noch,aber dieser blog wird eher stiefmütterlich behandelt.

ich führe das auf den sommer und die daran hängenden gewohnheiten des draussen abhängens zurück. ab september mutiere ich langsam wieder zum drinnie.
komisch ist: der pistenschreck aus thüringen verlässt die politische bühne. heisst das nun,den thüringer schülern droht dieser mann als lehrer?
den tarantinofilm habe ich immer noch nicht angeschaut,hoffentlich schaffe ich den bald – in der aktuellen konkret hat georg seeßlen eine lesbare filmkritik zum nazihunterfilm veröffentlicht – ihn treibt auch leni um,er hat aber seit jahren den kritischen blick immer auch hinter das zeluloid gelegt.
ach ja: am sa 12.09.09 laufen wieder die al-quds leute durch charlottenburg,aber dazu gibt es demnächst mehr an dieser stelle.

im letzten septemberdrittel verschlägt es mich wieder nach zypern und nach belgrad – über tips für diese orte würde ich mich freuen.
enjoy the rest of summer ;)

Ein Samstag im Sommer

2009 August 29
tags:
by philolog

Ich habe den heutigen Sonnabend mit dem rauchen englischen Zigaretten begonnen. Gelegentlich leiste ich mir diesen Luxus,den Rest der Zeit verbringe ich meist mit bezahlbaren amerikanischen Tabakmischungen.

Heute trafen sich eineiige Zwillinge aus allen denkbaren Altersgruppen am Schloss Charlottenburg. Die weiblichen Vertreter schienen in der Überzahl. Die mir bekannten Zwillingspaare gehen durch meinen Kopf,ich habe zu keinen mehr Kontakt. Schulerinnerungen beginnen mich zu langweilen,mein Blick fällt dann mehr auf die seit einigen Jahren neue Gartenarchitektur.

Der weitere Spaziergang durch den Park verläuft unspektakulär,das Wetter spielt heute soweit mit. Ich denke über Bildungsmonadentum und meine Reisen im September nach. Mir fällt wieder ein,ich war nach Titos Tod nicht mehr in Belgrad.Ich werde drei Tage vor oder nach Zypern dort verweilen.

Am Mierendorffplatz wird ein Kaffee genommen, internationales Publikum geniesst den etwas launischen Sommertag. Kinderwagenschieber halten sich mit Rolli- und Rollatorfahrern die Waage, man ist hier merklich über 30 Jahre alt. Als Gebärpflaster lässt sich der Kiez aber nicht mit der Kastanienallee oder dem Kollwitzplatz am Prenzlauer Berg messen,hier ist man auch ohne Kinderzahl ein Mensch.

Unterhaltung über den neuen Tarantinofilm,ich bin der vorbelastete Nichtwisser.Der pazifistische Denker neben mir  ist von den Gewaltszenen abgestossen, die Dialoge wiegen das Manko aber wieder auf. Meine Einlassung,Nazis weg zu machen sei als eine viel zu knapp erfolgte Tat in jener Zeit unbedingt begrüssenwerter Filminhalt, katapultiert mich in den Augen der Friedenliebhaber um mich herum ins Neandertal.Ich lasse meine Keulen aber liegen,der Kaffee soll ja schliesslich noch schmecken.

Mein heutiger Musiksoundtrack mischte Carcass,Blondie,Ludwig Hirsch mit Grace Jones und George Harrison.Der frühe Abend gehört dann dem neuen Buch “Der ewige Sündenbock” von Tilmann Tarach.

happy b-day,dissi

2009 August 20
tags:
by philolog

kotzboy aka dissi aus ffm  hängt nun schon eine ganze weile in der frontstadt ab.virtuell sind wir schon eine ganze weile bekannt – ich vermute seit seeligen sinistra forum  zeiten, aber spätestens seit der blogoffensive der israelfreunde im dt. sprachraum. sein blog wurde in niederträchtiger weise vom olifaniserver gekickt,er hat dann selber weiter gemacht und sein eigenes bloguniversum eröffnet.  zu seinem geburtstag beschenkt er die lesergemeinde mit einem seiner legendären mixtapes. weiter so und meine besten wünsche zum neuen lebensjahr ;)

cooling down

2009 August 19

Nach meinen Mieseptereien über die Fascho-Leni-Elogen des Tarantino rückt dissi die inhaltlichen Koordinaten des Filmprojekts wieder etwas gerade. Er empfiehlt den neuen Film “Inglourious Bastards“, der an seinem Jahrestag auch in der Frontstadt am Donnerstag neu anläuft.  Natürlich ist die Stoffauswahl “Juden machen Nazis weg” löblich, die Ernsthaftigkeit des Regisseurs verblasst allerdings mit den Bewunderungsstürmereien für Hitlers Film-PR-Beauftragte merklich. Bei anderen Künstlern gelingt mir die Trennung von Ideologie und Machwerk ja auch, aber im konkreten Fall sind die Widersprüchlichkeiten durch den Künstler krass aufgestellt. Mal sehen, wann ich mir den Streifen ansehen werde. Will Tarantino tatsächlich das Andenken an die notorische Faschopropagandistin der 30/40er Jahre in den Olymp des alternativen Hollywood im neuen Jahrtausend hieven oder ist er wirklich nur ein Grüsskasper deutscher NS Vergangenheitsabwicklung (die sich in den Bunkerdönches eines Bruno Ganz trefflich wiederfindet) und somit ein  Depp?

PS: Reflexion war drinne,ausführliche Filmrezension liegt hier

PPS: Filmtipp von dissi,heute Abend auf arte  ” Soldatinnen in Israel”

Pirat sein

2009 August 8
by philolog

ist in Karl Marx Stadt aka Chemnitz kein Zuckerschlecken. In den goldenen Neunzigern habe ich meist im Ostteil der Frontstadt ähnliche Erfahrungen machen müssen.

freie Stellen,z.B. für orthodoxe Theologen

2009 August 5
by philolog

In Berlin ist eine Pfarre neu zu besetzen. Hintergrund: Der rumänisch-orthodoxen Gemeinde in Berlin-Charlottenburg ist ein Missgeschick passiert. Bei der Errichtung des authentischen Gotteshauses kamen der Gemeindepriester Constantin Mihoc und ein Helfer ums Leben,während sie am Dach des Gotteshauses Hand anlegen wollten. Allroundtalente sind eben auch für Gottes Werk  schwierig zu finden.