Seitenempfehlung:
Neulich im Mehringhof: Rechtspopulismus und die Linke mit Vorspiel. und Nachleese bei dissi.+ diffuses subjekt
Gazaflotilla als "bauchjuedische" Veranstaltung feat by MONITOR
Suburbia
Nach langer Ausschau habe ich mit ein paar FreundInnen ein Haus am südwestlichen Stadtrand von Berlin gefunden. Im Sommer war die Auflösung der alten Wohnung in Mitte – ich (resp. mein Anwalt) streite mich noch heute mit der Hausverwaltung über völlig ausgedachte Forderungen Im Juni war dann endlich der Umzug nach Suburbia. Die Umzugskartons sind weniger geworden und nun steht der erste Winter im dörflichen Ambiente vor der Türe.
In Berlin lässt man sich erst einmal in Ruhe wurschteln, Ansprüche an die Nachbarschaft werden freundlich, kurz und knapp vorgetragen. Glücklicherweise wohnen die Familienhaufen mit Kleinkindern entfernt genug,um mir nicht auf die Nerven zu gehen. In jedem zweiten Haus wohnen Hundehalter mit oft ungezogen vereinsamten Haustieren. Aber was ist das Bellen von so irregeleiteten Wesen schon im Vergleich zum Metropolemtrash samt dem geballten Elend?
Ich habe beschlossen,wieder zu bloggen. Mein Ausflug in die liberal-libertären Strömungen hat mich schlussendlich in der praktisch-politischen Konsequenz nicht begeistert. Das bedeutet aber keine Rückkehr zur Linken,hier ist das Band bis auf wenige theoretische Gemeinsamkeiten zerschnitten. Der desaströse Zustand der Bundes-FDP und die parlamentarische Vaporisierung der Berliner Liberalen nach der letzten Abgeordnetenhauswahl sind Anzeichen für einen Untergang liberalen Denkens,der schmerzt. Mein zentrales Kriterium, den Etatismus und die mit ihm verbundenen Heilsbotschaften zu hinterfragen und zu kritisieren, wurden von den aktuell tätigen Liberalen mit nur wenigen Ausnahmen mit Pragmatismus und commom sense beantwortet. Diese sichtbar instrumentelle Vernunft hat den Charakter von öffentlicher Dienst Mentalität,die ich zutiefst verabscheue. Sie schlägt sich finanziell im Einkommen nieder,es fliessen zwei Drittel meiner Einnahmen in den Staatshaushalt, an dem sich soviele Grüppchen dann nähren wollen – ohne relevante Gegenleistung nur mit dem Ziel des Selbsterhaltes.
Ich werde mich sicherlich weiter mit Ideologieerscheinungen, Staatsromantiken und Kulturphänomenen befassen, die säkularen Restbestände der modernen Gesellschaft sezierend betrachten und der Befreiung des Individuums von kollektiven Zwängen das Wort reden. Wenn sich kollektivistisch ausgerichtetes Pack streitet oder schlägt, sehe ich mich nicht aufgefordert, dem kleineren Übel den Vorzug zu geben.
In diesem Sinne melde ich mich zum Jahresende 2011 wieder zurück.
Unheimlicher Aufmarsch
No Al-Quds Berlin 2010, Bilder von queerkopf
Leonard Cohen …
in Berlin am 18.08.2010
Mittwoch, 18. August 2010 um 18.30 Uhr
Am Glockenturm
14053 Berlin
Deutschland
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testopesto augenzuppler
Geldknappheit
Ich plage mich ja nun noch weiter mit dem gebrochenen Bein herum,jetzt rutsche ich in das sog. Verletztengeld hinein,meine monatliche Apanage verringert sich somit um etwa 20% der letzten Monatsgehälter. Nun möchte ich nicht weiter klagen,immerhin gibt es ja Menschen,die nach erledigten Zahlungsverpflichtungen nicht einmal mehr Bares für einen Sechserpack Bier übrig haben – wie hier in diesem Musikvideo eindrucksvoll berichtet wird:
Hank III Williams war mir musikalisch bis heute ja eher als mittelmässiger Metaller bekannt, sein Countrystyle mit Hanf- und Piratenaufnäher gefällt mir da schon viel besser. Hals- und Beinbruch und nette Ostertage
Krueppel Ontologie
Am 17. Februar habe ich mir das Schienbein bis zum Mittelfussknochen gebrochen, – ich bin auf einer Glatteiswulst boese ausgerutscht – seitdem lebe ich in der Welt des Schmerzes, oder wahlweise in der Welt der Schmerzmittel.
In der Charite wurde ich gut behandelt,die ersten fuenf Tage im Einzelzimmer,dann wurde ich zu einem Diplomaten (Splitterbruch am Fuss) in ein Zweibettzimmer verlegt. Ich hatte Glueck im Unglueck,das surrounding zweier im Dienst verunfallter Arbeitnehmer war meiner Genesung zutraeglich. Der Diplomat liegt immer noch im Krankenhaus.
Jetzt spasste ich hier mit Kruecken durch meine ganz und garnicht behindertengerecht ausgestattete Altbauwohnung und wenn die Schmerzen zu stark sind, hasse ich mein Leben. Vor allen Dingen ist es mir unertraeglich,auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein. Das soll die nachsten 6-8 Wochen so bleiben, ich bin in meiner Ethik mittlerweile auf dem Weg, in den Fussstapfen von Dr. House anzukommen.
Die Diskussionen ueber das Winterdienstdesaster hier in Berlin habe ich vom Krankenlager aus verfolgt, Hausbesitzer, Bezirke und der Senat reden sich gegenseitig aus der Verantwortung heraus. Mal sehen,ob die anrollende Klageflut diese Arschloecher auch weiter so dummes Zeugs vertreten laesst. Bei mir alleine kommen schon als Schadensersatz rund 30 000 Euro ohne Schmerzengeld zusammen. Die Charite war jedenfalls waehrend meiner Liegezeit bis unter das Dach mit Glatteisopfern belegt.
Nun warte ich auf den Fruehling und denke erneut ueber auswandern nach.
Hals- und Beinbruch
in eigener sache
habe ein paar tote links und badges repariert,z.b zu facebook oder lebowskifest. aus gegebenem anlass: hattip zu j. d. salinger
viel spass im neuen jahr
Leonhard Lorek in Kreuzberg
Kürzlich noch von der Schwermütigkeit gestreift,hat es mich am Samstag nach Aussen gedrängt,oder besser gesagt gezogen. Im Schlepptau von U. ging es zu Leo nach Kreuzberg 61,wo ich Mitte der 90er ein paar Jahre lebte.
Im Dezember letzten Jahres bekam ich von einer langjährigen Freundin den liebevoll verarbeiteten Lyrikband “Daneben Liegen” von Leonhard Lorek mit Illustrationen von Gösta Wellmer in einer Berliner Taverne geschenkt. Gestern Abend wurde der Band in der “Lettrétage” in der Methfesselstrasse 23-25 vorgestellt. Jörg Sundermeier – mir eher als der Autor des” letzten linken Studenten” in der jungle-world bekannt – ist es als Verleger der Verbrecherei gelungen, Leo Lorek zur Veröffentlichung seiner Gedichte zu bewegen. So kommt das lyrische Debut des bekannten Künstlers mit 52 Lebensjahren möglicherweise nicht gerade früh,ein Beweggrund für die jetzige Veröffentlichung war wohl die Diagnose der aktuellen Krisenhaftigkeit der Gesellschaft.
In einer prekären Phase ist die beste Zeit für Gedichte, es kann wieder neu über Zeit und Wert nachgedacht werden. Für Leo Lorek “haben Gedichte in etwa so zu wirken wie Calgon: Kalk lösend und Verkrustungen aufhebend”. Damit meint er aber nicht,den Leser oder Lesungszuhörer mit allerlei kunstfertiger lyrischer Vortragsakrobatik betören zu müssen. Er überlässt die therapeutische Wirkung seiner Lyrik viel lieber dem geneigten Leser,der den Klang der Buchstaben und Worte im eigenen inneren Selbst zum schwingen bringen möge – quasi als Möglichkeit zum entkalken vermeindlicher Sicherheiten und störender Anhaftungen. Es geht also um ganz praktische Ontologie.
Der Einleitungsessay “Wirtschaft,Tod und zehn Gedichte” gibt dem Leser einen Kompass in die Hände. Es wird über die Gestalten der Krise, Rimbaud und Brecht die biographische Route zum Erlebnis von Dichtung beschrieben. DenWeg dahin sollte der Leser aber immer selbst beschreiten. Dichtung kann auch nur schön sein,den Bücherschrank vollstellen, den Klang von Smörebröd Rompömpöm annehmen, taubgrüner Ginst im Musenhain.. So würde sie aber nichts weiter zur eigenen Beförderung beitragen. In Krisenzeiten brechen Sicherheiten schneller weg, die Seele ist verletzlicher aber auch eher offen für neue Ansichten.
Ein Mensch kann mit seinen Ansichten,Haltungen und Sicherheiten auf zweierlei Weise daneben liegen. Entweder, man hat sich über eine ganze Zeit über etwas hinweg getäuscht und möchte das abändern oder man liegt daneben und ist nur passiver Zuschauer und beweint vielleicht noch seine Opferrolle. Beiden Grundhaltungen kommen die verdienten Gedichte zu. Die Entscheidung trifft natürlich immer der Leser.
Einen geradezu sympathischen Bonus hat Leo Lorek noch in der anschliessenden Diskussion erworben. Es wurde kritisch nachgehakt,warum er seine Gedichte denn nicht vorlesen möchte? Die Lesung bestand aus der Rezitierung des Eingangsessays und eines Gedichts.
Ganz einfach: Die längere Vorleserei von Lyrik ist 1. ermüdend und 2. nicht zielführend. Wenn ein Gedicht beim Leser nicht anklingt, hat entweder der Leser oder der Autor etwas falsch gemacht – oder Beide. Die Vorgabe über eine Autorenvorlesung kann beide Punkte nicht heilen, eher vernebelt sie die eigentliche Vergnügung oder Erschütterung des Lesers. Also: Lorek Lesen,lesen,lesen … sonst rieselt ganz schnell oder schlimmer, ohne dass man es merkt, der Kalk.
PS:
Den Lyrikliebhabern in Berlin sei auch noch in das Stammbuch geschrieben: Ja,es ist Januar und es ist kalt,glatt und wenig erbaulich da draussen. Denn es ist Winter,da kann man sich angemessen kleiden.Feste Schuhe,eine lange Unter- oder Strumpfhose schützen den Leib vor diesem Ungemach. Zur nächsten Lesung von Leo Lorek wären Wetterunwägbarkeiten keine gute Begründung zum Fernbleiben.
Überlegungen zum Jahresende 2009
Ich wurde gefragt, ob die libertäre Antifa des Freiheitsverherrlichers nun alles von mir in 2009 gewesen sein soll. Meine Antwort: Es ist seit August meine polit-hedonistische Seite, die ich nicht ohne Beistand über dieses Projekt ausleben möchte. Die bekannten linken Konzepte gegen die sogenannten islamkritischen Ausländerfeinde regen mich nicht zur Teilnahme an, hier gibt es antiimperialistische Kumpanei mit antisäkularen Kräften.
Die rechtskonservativen Verständnisarien gegen eine ominöse Überfremdung des Abendlandes und die verschwörungsstheoretischen Elaborate von PI und seinen Groupies gehören zusammen. Warum sollte man diese Things nicht mit ihrer gesellschaftlichen Beitragslosigkeit auf wirtschaftslibertäre Weise konfrontieren? Wenn sich white-trash in Realitätsverkennung mit Elitesprechern (Sarrazin) und ausländerhassenden katholischen Betschwestern gegen Muslime verbünden, ist Kreativität gefragt, wenn man den reaktionären Muslimverbänden nicht Tür und Tor aufmachen will. Auf theologische Auseinandersetzungen habe ich sowieso keine Lust, das Gehabe überlasse ich den interessierten Spezialisten. Die Befürderung einer liberalen-säkularen Republik ist mein Interesse, da ist Religionsfreiheit mit eingeschlossen. Wenn allerdings religiöse Rackets das öffentliche Leben manipulieren wollen, gibt es von dieser Stelle aus die agnostische Rote Karte.
Meine Bloggerexistenz hat sich in den letzten Monaten etwas gestrafft,die Themen sind mir keinesfalls ausgegangen.Vielleicht ist mein Engagement bei twitter und facebook mit veratwortlich,möglicherweise bin ich auch nur schreibfauler geworden. Die Raumzeit liegt seit der Bundestagswahl brach, Frau Lengsfeld hat mit ihrer Busenkampagne ein Zeichen zur Flaute gesetzt.
Meine Liberalismusstudien in Deutschland stagnieren, es kam und kommt einfach zuwenig Substanz aus diesen Gefilden. Es ist enntäuschend,wenn man bei intensiverer Befassung doch immer wieder bei französischen, britischen, italienischen oder amerikanischen Autoren landet - eine Ausnahme stellen vielleicht wirtschaftsliberale Denker des 20. Jahrhunderts dar. Über eine liberale Tradition lässt sich aber so nur schwer urteilen. Die Kuh ist aber noch nicht vom Eis.
Die Bildungsdebatte hat durch die streikenden Studenten wieder mehr Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden, das Bachelorsystem mit all seinen neuen Zumutungen für die Studis steht auf dem Prüfstand. Die bezweckte internationale Öffnung dt. Abschlüsse für Auslandsaufenthalte hat sich in ihr Gegenteil verkehrt, mit den Discountangeboten der Unis mutieren Auslandssemester zum Luxusprojekt und der Bachelorabschluss taugt kaum zum Weiterkommen in die interessanteren Masterprogramme. Die traditionellen Studiengänge Medizin, Jura, etc. bleiben eh unberührt vom Reformgehabe, es trifft bis dato hauptsächlich die Geistes- und Sozialwissenschaften. Wer im Ausland studieren möchte, tut das eh aus eigener Planung heraus. Das Treiben an den Fachhochschulen bleibt mir leider völlig unerschlossen.
Der Ruf nach dem Staat ist auch im Sekundarstufenbereich I und II gross: Verfallene Schulgebäude, zu grosse Klassenstärken und das auf Aussortieren statt auf Bildung setzende staatliche Schulsystem führt sich seit Jahrzehnten am eigenen Abgrund vor und es passiert nichts , das den Namen bahnbrechende Neuigkeit verdienen würde. Das Feld bleibt staatlicherseits ideologisch besetzt. Es ist zum erbrechen.
Umso erstaunlicher ist die Neugründung der Bil-Privatschule in Stuttgart, boswillig auch als Türkengymnasium betitelt. Aus einer Hausaufgebenbetreuung etwickelte sich die säkulare Initiative “Bildungs- und Schulverein Baden Württemberg (BSV) e.V.”, die Bil-Privatschule unterichtet seit 2004 Schüler ab der 5. Klasse in den Zweigen Realschule und Gymnasium, der Lehrplan ist am Curriculum des KuMi-BaWü orientiert. Gebetsräume und Hassprediger sucht man dort vergeblich, der Lehrkörper besteht aus deutschen Lehrern, Leiter ist ein türkischer Migrant. Ziel der Schule ist ein Bildungsangebot in pädagogisch annehmbarer Athmosphäre, durch das auch Migrantenkinder eine mindestens durchschnittliche Karriere im dt. Bildungssystem absolvieren können. Ein richtungsweisender Intengrationsansatz, der aus einer passiven Opferhaltung hinaus führen kann.
Auf Zypern entwickeln sich die Einigungsbemühungen im Schneckentempo. Das Schandmal aus der Sicherheitsarchitektur im Kalten Krieg wird als Zankapfel zur EU-Integration der Türkei weiter gereicht. Für die Zyprioten bedeutet das weiterhin das Aushalten der Teilung in zypriotisch-griechischen Südteil und türkisch besetzten Nordteil der Insel. Athen und Ankara schwächen so die Souveränität des Inselstaates, er bleibt Spielball externer Interessen von EU und UNO. Das Redaktionsteam der linken Wochenzeitschrift jungle-world hat im Spätsommer 2009 eine ganze Zeitungsausgabe von Zypern aus gestaltet. Ich empfehle zum Studium aktueller Entwicklungen die regelmässige Lektüre der linksliberalen Wochenzeitung Cyprus Weekly, sie kommt immer am Freitag heraus und ist so so dick wie die Samstagausgabe der FAZ. Auf der Homepage werden leider nur Auswahltexte der aktuellen Ausgabe einsehbar gemacht – die interessanten Themen Einigungs, Migration und EU kehren aber immer wieder. Ein Abo ist für Interessenten aktueller Entwicklungn ratsam. Literaturtip: Cyprus 1974: Greek Coup and Turkish Invasion by Makarios Drousiotis. Series: PELEUS Band 32 (2006)
PS:
Was mich im Dezember absolut umgehauen hat: Die Sängerin Daliah Lavi verabschiedet sich von der Bühne ausgerechnet bei FLORIAN SILBEREISEN !! Das ist ein so unwürdiger Abgang,ich könnte heulen.
Im Peppi Guggenheim
In Neukölln gibt es einen antisemitenfreien Ort. Vom U-Bahnhof Rathaus Neukölln sind es 4 Minuten Fussweg bis zur Weichselstrasse 7, eine Galerie und eine Kneipe firmieren als S.G.P.G.I.B. – Die Spe©ialGalerie Peppi Guggenheim International Berlin. Am Donnerstag Abend wurde dort “Warum Israel?” von Claude Lanzman gezeigt. Ich kam kurz vor knapp, der kleine Vorführraum war schon überfüllt,die Filminteressierten standen bis zum Ausgang. Ich habe es mir mit Helga vom Tellstübchen zuerst an der Theke bei lecker polnischem Bier gemütlich gemacht, nach einigen Stunden – der Film war aus – gab es auch Tisch und Stühle. Offensichtliche antiisraelische Störmanöver wie in Hamburg fanden nicht statt, Vater Staat hat zur Prävention etwas Personal in Neukölln bereit gestellt – als quasi Wiedergutmachung für die peinliche Aktion der Kollegen in Duisburg. Die Beamten hatten wohl einen ruhigen Abend.
Interessante Gespräche, Bekannte getroffen, Karl Marx in neue Lichter gerückt, das Proletariat zum 100 Mal beerdigt, das Kapitalverhältnis (Arbeiter,Kapital,Staat) mindestens genauso oft einem update unterzogen. Am Nebentisch wurde ein Antisemitentest x-mal mit überraschenden Ergebnissen durchgeführt. Ich muss sagen,ich erkenne Neukölln nicht mehr wieder,ich bemühe mich um meine Neuerschliessung. Im Peppi Guggenheim besteht aktuell die beste Gelegenheit dazu.
Neukölln – Israel
Helga aus Neukölln hat sich im Kietz um den Hermannplatz genauer umgeschaut. Dabei kam so manche Überraschung zum Vorschein, die Lektüre der Blogbeiträge im Tellstübchen lohnt sich. Für den Dezember 2009 sei auf “S.G.P.G.I.B. - Die Spe©ialGalerie Peppi Guggenheim International Berlin, Kneipe & Galerie im Norden von Neukölln” hingwiesen. Von mir kurz als das “Peppi” benannt.
Ich empfehle den Besuch der Filmvorführung ” Claude Lanzmann: Pourquoi Israel aus dem Jahr 1972″ am Do 10-12-09 um 20:00 Uhr. Ein Film,der auch in 2009 antizionistische Herzen von links zum kochen bringt und zur kruden Tat drängt wie jüngst in HH.
So,jetzt noch schön die Stiefel herausstellen, damit Sanct Niccolaus leckere Sachen ablegen kann
Das aktuelle Programm

Nu iss November
Das letzte herbstverweigernde Eis von Eishennig nahm ich Montag zu mir. Die obligate Kürbisspeise wurde, ohne weiteren Schaden genommen zu haben, vertilgt. Auch der Grünkohl machte es sich schon gemütlich im Magen. Der Schal gehört eine ganze Weile zum Bekleidungsstandard – die dicken Jacken bleiben aber noch trotzig im Schrank hängen.
Die Kids werden immer komischer,bin gestern auf meinem halben Candy-Haufen sitzen geblieben.Sammeln die jetzt nur noch Möhren, oder was? Naja, wird schon weggehen,das Zeugs.
Interessant ist ja auch,dass in der Halloweennacht Erwachsene ihr Kitadefizit in lächerlichen Outfits und schlechtest möglicher Camouflage nachholen. Wenn dann noch die Retardierung durch Alkohol oder andere Substanzen zur Spassbefreiung hinzukommen,wird das Bild gänzlich schräg.Abgetakelte Schicksen und phantasielose Vampire torkeln über die Trottoirs Berlins. Ich habe mir ja Zivilisation immer schon anders vorgestellt. Nachts bleibt man zu diesen Tagen wohl besser am heimeligen Öfchen. Aber egal,werde ich halt diesbezüglich zur individualisierten Monade.

Bei Max Goldt ging es zum Abend ganz vertraut zur Vorleserei – nach 18 Jahren hat er sich ins frisch von Didi Hallervorden eröffnete Schlossparktheater nach Steglitz einladen lassen. Im Vordergrund stand die Vorstellung seines neuen Zimbo-Buches,aber auch ältere, unveröffentlichte Texte und Miniaturen kamen zum Vortrag. Nach 22 Jahren Liveabstinenz war es ein angenehmes Erlebnis,diesen Autor gereift zu erleben. Die Jahre bleiben ja schliesslich kaum einem Menschen nur in den Kleidern hängen. Ein pfleglicher Umgang mit dem Selbst und nicht der Verzweifelung anheim zu fallen kommen eben auch den Faninteressen entgegen.
Seine Texte bleiben zeitlose Dokumente des manchmal paradoxen Situationsspieles, manchmal den Selbstverständlichkkieten des Alltags trotzende Gedankenaussichtstürme.
Überzeichnete Schenkelklopfer wurden keine vorgetragen,das blieb der guten alten Zeit vorenthalten. Nach Schluss der Vorlesung stellte sich der Autor den Zuhörern zur Autogrammstunde. Möge sich das neue und gut gebundene Buch auf vielerlei Wegen den Zugang zu möglichst vielen Lesern verschaffen. Mir bleibt das alte Werk aus den achtziger Jahren das Liebste – nebst der Vortragungserinnerungen an den Autor. Man hängt ja an seinen Entdeckungen wie ein Archäologe an seinen spektakulären Funden.
Herbstliches
Der Oktober geht in seine zweite Hälfte,gülden ist er hier in der Frontstadt nicht im Übergewicht ausgefallen,eher nass kalt und für Raucher eine wahre Verurteilung zur Schweinegrippe. Diese Vegetiererei vor Gebäuden ist unwürdig. Trotzdem versüsse ich Glaxo nicht die Bilanz oder gar die Propandenstatistik. Eine angemessene Bekleidung,ganz im Sinne Sarazins,tut es dann auch. Gibt es eigentlich Handschuhe für Selbstdreher?
Die letzten beiden Jahre standen ja bei mir reisetechnisch unter dem Stern Zyperns. Die Vereinigung der beiden Inselteile schien letztes Frühjahr zum greifen nah,nebenbei konnte ich noch persönliche Angelegenheiten dort regeln. In diesem Jahr hat sich fast die gesamte Redaktion der linken Wochenzeitung jungle-world (die ehemals bessere Hälfte der FDJ-Postille Junge-Welt) auf dieser Insel eingefunden und eine ganze Zypernausgabe von dort aus produziert. Diese Würdigung der mir insgesamt am angenehmsten erscheinenden Insel im Mittelmeer erfreut mich sehr. Inhaltlich bietet die Zeitung einen aktuellen Überblick der politischen und gesellschaftlichen Lage dieses wohlhabenden Eilandes, ein illustrer Haufen wurde von den Journalisten besucht,interviewt und die informationelle Ausbeute ist ansehnlich..
Das Witz-Wort des Jahres 2009 scheint mir der Querfrontbegriff zu werden. Hier werden ja soviele Inhalte in einen unpassenden Topf geworfen,im günstigsten Fall wird Volksfront mit Querfront verwechselt. In der Masse scheint es aber um die reine Desavouierung von missliebigen Individuen des politisch-publizistischen Raumes zu gehen – die mittelalterliche Hexenjagd ist wieder gross im Kommen. Und wenn ich so beschaue,was für Typen meinen,sich als “Experten ” aus der Linken heraus dazu äussern zu müssen,ist die Betrauerung des intellektuellen Niveaus noch meine mindeste Diagnose. Vor ein paar Jahren meinte ein Kollege aus dem APABIZ,der Begriff würde inflationär verwendet,am Schluss weiss niemand mehr,woher der historische Begriff rührt und was er beschreibt. Er sollte leider Recht damit behalten. Kein Wunder ist,dass heutzutage Menschen sogar aus einem Versehen heraus konservativ werden.
Lustig hingegen empfinde ich den Begriff des Nazi-Hartzlers,der aber noch inhaltlich zu füllen wäre. Bis heute teufelt leider nur eine quasi libertäre Figur “Freiheitsverherrlicher” durch diverse fragwürdige, meist rechtsextreme Internetplattformen. Mal sehen,wo das so enden wird.
Zur Wahl habe ich soweit alles gesagt,ich bin ein Freund des Lagerwahlkampfes,wenn die Veranstaltung sich wieder dahin bewegen sollte,gebe ich mir auch wieder mehr Mühe. Solange der “Neue Mitte Quark” gerührt wird,bin ich relativ desinteressiert. Bei meiner Bank interessiert mich auch weniger,wie die Funktionen dort so besetzt werden, solange meine Kröten dort fachlich gut betreut werden.
Der November naht und ich bin gespannt,welche Banden sich dieses Jahr wieder am Gedenkmarsch zum 09.11. in Moabit einfinden werden. Auf dem Rücken der deportierten und ermordeten Juden kühlen sich ja so einige fragwürdige Grüppchen ihr Mütchen. Für alle,die es noch nicht wissen sollten: Israel ist der einzige Zufluchtsort,wer diese Nationalfahne als Provo empfindet,sollte lieber bei anderen Kameraden Anschluss suchen.
Die Wahl ist gelaufen
Die neuesten Propagandavideos der Islamisten haben zu einem weiteren Sicherheitsring um das Oktoberfest oder die Fanmeilen zum Tag der Einheit geführt. In den 70igern habe ich ja auch öfters in Gewehrläufe schauen dürfen,damals waren die Sicheitskräfte auf der Suche nach RAF-Leuten. Heute werden schlechte Videoschauspieler aus dem Internet gesucht. Anstatt auf die Bevölkerung flächendeckend Knarren zu richten,könnten die Islamextremisten gezielter identifiziert und ausgeschaltet werden. Liebe Sicherheitsorgane,probiert es doch mal an den Treffpunkten von DITIB,Mili Görüs,Hamas,Hizbollah oder den saudischen und iranischen Botschaften oder Konsulaten. Da werdet ihr bestimmt fündig.

Die Wähler hatten genug von 11 Jahren SPD Regierungsbeteiligung,jetzt sollen es Schwarz-Gelb (Neudeutsch Tigerentenclub) probieren. Ein ganz normaler Vorgang in einer Demokratie. Ein phantasieloser Abklatsch der” Birne-Kampagne” gegen Kohl aus den 80ern scheint das verweigerte BBC-Interview des FDP-Steuermanns zu werden, der Aussenminister in spe sei der englischen Sprache nicht mächtig und ein Schaden für Deutschland sei vorprogrammiert. Das antiliberale Ressentiment bricht sich bis hin zu Denunziationphantasien bei der Familie Saud seine Bahn: Im Schariahland weiss man “richtig” mit Homos umzugehen, pseudolinke Ressentiments verbünden sich folgerichtig mit exterminatorischer Homophobie,widerlich.
Jetzt verhandeln also Guido und Angie über das Regierungsprogramm der nächsten Jahre und der Ton ist schon vor Verhandlungsbeginn rau und wenig auf liberale Grundforderungen ausgerichtet, CSU und FDP streiten sich schon jetzt um die zu verteilenden 6 Ministerien. Neoliberalismus fällt öfters als Kritik aus der Union heraus in die Öffentlichkeit. Bis heute ist nur Westerwelle als Aussenminister sicher gesetzt.
Schnarre,Solms,Brüderle,etc. sitzen schon in den Startlöchern,mal sehen,wen die Partei dann schliesslich ins Rennen schicken möchte, die FDP hat sich in den letzten Jahren vom Personal her in der Breite verjüngt und sogar libertäre Positionen finden sich im Bundestag wieder. Frau Koch-Merin ist mit ihren antipolnischen- und antitschechischen Ausfällen wegen des EU-Vertrages wenig schicklich aufgefallen.Kein liberales Aushängeschild,beim besten Willen nicht.
Die SPD ist mit ihrem Kurs der Mitte folgerichtig gescheitert – eine weichgespülte CDU braucht niemand in diesem Land. Sie lässt sich noch von der SED treiben,die viele enttäuschte Sozialdemokraten aufgesammelt hat. So kommt das parlamentarische Koordinatensystem wahrscheinlich wieder zu seiner tradiotionellen Lageraufteilung. Das mit dem Ende der Geschichte der Arbeiterbewegung war wohl selbstredend ein ideologischer Fehlschlag der Schröderschen Sozialdemokratie. Es bleibt spannend anzusehen,wie es ihnen gelingen wird, Vertrauen beim Wähler zurück zu gewinnen und gleichzeitig den Machtanspruch der SED abzuwehren. Eine Koalition im Bund wäre der kostspielige Lebendversuch,vielleicht gelingt den Sozis der Job aber schon in der gemeinsamen Opposition. Ich sage die SPD also nicht tot,als Klientelpartei hätte sie eine Chance – wie die FDP mit ihren Schwerpunktsetzungen eben auch ein bestimmtes Klientel vornehmlich bedient und dafür gewählt wird. Transferleistungsempfänger fürchten sich ja nicht zu Unrecht vor Einschnitten,wenn die Liberalen immer nur von förderungswürdigen Leistungsträgern der Gesellschaft reden. Ob das in einer 2/3-Gesellschaft münden muss,weiss ich allerdings nicht. Sicher scheint aber,dass mit der hohen Arbeitslosigkeit und der Alterspyramide Probleme in der Welt stehen,die gelöst werden müssen.Ein Niedriglohnsektor ohne HartzIV wäre aber besser am Markt orientiert, ein Bürgergeld könnte die sozialen Härten abfedern und man wäre endlich weg vom Bedürftigkeitsprinzip,das menschenunwürdige Züge in sich trägt. Die Angst vor sozialem Abstieg könnte so gemindert werden. Dass der Staat nicht in der Lage oder Willens ist,für alle Bürger ein erklägliches Einkommen zu ermöglichen,bleibt jedoch eine Binsenweissheit. Es herrscht eben Kapitalismus,Baby.
Die Piratenpartei hat sich bundesweit bei 2% der Stimmen wiedergefunden. Ein Achtungserfolg,der die Piraten zum Weitermachen befähigt. Das mit dem postideologischen Zeitalter (“wir sind nach allen Seiten offen”) wird den Freibeutern spätestens dann vergehen,wenn sich die halbe JN bei ihnen versammelt hat. Das schaue ich mir dann aber doch lieber aus der Ferne an,weil in dieser Partei bis heute keinerlei ideologiekritisches Potenzial ausmachbar ist. Schade eigentlich,die Kernforderungen halte ich weiterhin für unterstützenswert. Ob der Laden zukünftig in der Bedeutungslosigkeit dissoziiert, sich neu aufstellt oder bei den etablierten Parteien Anschluss finden wird?
Wahlentscheidungserleichterung
Für potenzielle Nichtwähler sind ja immer auch die Vereine unter 5% interessant. Wenn der Weltgeist dreimal klingelt, sind die Piraten nach allen Seiten offen – das wird dann selbstredend postideologisch benannt. Auch Rechtsextreme tummeln sich in der Piratenpartei weiss Elke Wittich zu berichten – noch deutlicher wird sie in ihren Einschätzungen zur Piratenpartei hier. Volksfrontler Jürgen Elsässer bläst zum grossen Halali: Seid ihr Memmen oder Piraten? Er eilt den Piraten auf der letzten Wahlkampfstrecke noch zur Hilfe. Die von den Piraten voereilig ausgerufenen postideologischen Zeiten müssen dann wohl wieder den Rückzug antreten, wie hier nachlesbar ist.
Ironiemodus aus: Es gibt einen neuen Nazi-Zombiefilm,Infos.
Die Unterstützerliste der Piraten wächst täglich an,nun hat sich auch die ex-MEP Grüne Angelika Beer (unter Rot-Grün 98-05 verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag) geäussert.








